Warst du eigentlich mit deiner Beerdigung zufrieden?

Gerade stöbere ich in meinem Bücherschrank, auf der Suche  nach der passenden Idee für einen neuen Blogbeitrag. Zutage fördere ich dabei ein Buch aus dem in einer Zeit vor dieser Zeit renommierten Verlag. Dem VEB (Volks-Eigener-Betrieb) Verlag Volk und Gesundheit. Das Buch heißt: „Wenn ein Mensch stirbt“ und ist aus dem Jahr, als die Deutsche Demokratische Republik im Sterben lag. Aus dem Wendejahr 1989. Ein Kapitel daraus spricht mich besonders an. „Das Lebensende humoristisch betrachtet.“ Der Autor, der in diesem Buch ausgewählte Werke im Zeitraum des Todes, also periomortal, sammelte kommt zu der Auffassung, dass der Humor zum Tod gehört, so wie er zum Leben gehört. Als Beispiel führt er den …

1904 in der Nähe von Wuppertal geborenen Jürgen Kuczynski auf.

Der deutsche Historiker und Wirtschaftswissenschaftler lebte bis zu seinem Tod am 06. August 1997 in Berlin und zählte in der DDR zu den prominenten Persönlichkeiten. Er ist so wichtig, dass  eine Universität in der Stadt Potsdam in den USA über sein Wirken forschte und darüber eine Publikation heraus brachte. Er selbst hat die Welt mit ca. 4100 Schriften beehrt… Eines seiner bedeutenden Schriften ist das Buch:

Cover-dialog-mit-meinem-Urenkel

Buchcover, Dialog mit meinem Urenkel

„Dialog mit meinem Urenkel – 19 Briefe und ein Tagebuch“, das Anfang der achtziger Jahre erschien und trotz der  Zensur, welches es durchlitten hatte,  für großes Aufsehen in meinem Geburtsland  sorgte.  1997 durfte dann die vollständige Ausgabe erscheinen.  Schwarze Marginalkennzeichnungen verdeutlichen in dieser Ausgabe die von der DDR-Zensur entfernten Stellen.“ Ein Buch, dass sich mit wortgewandten Esprit in einem gekonnten Frage- Antwort-Spiel über das Leben an sich und in der DDR äußert.  Und das in der hinwendenden Auseinandersetzung mit einem Menschen, der für die Zukunft, die dritte Generation nach ihm steht.

Und eines der Kapitel drehte sich eben um die Auseinandersetzung des Autors mit dem Tod.  Der Mann,  der stolze 93 Jahre alt werden durfte, lässt seinen Urenkel fragen:Warst du eigentlich mit deiner Beerdigung zufrieden,
Urgroßvater? Jürgen Kuczynsky antwortet ihm darauf, dass er sich freue auf dem Intelligenzfriedhof, dem Dorotheenstädtischen, gleich neben Fichte und Hegel, Becher, Brecht und Eisler zu líegen. Die Feier hat er aber als barbarische Quälerei für die Familie empfunden. Auch sei er froh, dass eine Witwe Marguerete, fern geblieben sei. Es war gut ein wenig betroffenes Familienmitglied zu entsenden, um die Feier zu organisieren: „damit es einen ausgewählten, aber größeren Kreis von Freunden dann zu einem längeren Essen führte, auf dem man sich unter anderem freundlich über den Verstorbenen unterhalten hätte und währenddessen, gute, auch lustige Geschichten von mir erzählt, sich meiner bisweilen gewissermaßen gern erinnerte.“
Auf die nächste Nachfrage: „Wie zufrieden warst du denn mit deinem Tod, Urgroßvater?, “ antwortet der alte Mann:„Ach weißt du, drauf besinne ich  mich nicht mehr.“
Anmerkung BiographinIW: „Wie schade Herr Kuczynski. Das wäre doch wirklich sehr interessant gewesen, heraus zu finden, wohin Ihr atheistischer Glaube Sie geführt hat.“

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Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

2 Antworten auf Warst du eigentlich mit deiner Beerdigung zufrieden?

  • Anna sagt:

    Wäre es möglich (wer weiss das schon) würde ich ihnen diese Frage gerne beantworten, eines Tages nachdem diese stattgefunden hat.
    Und ich hoffe ich kann dann sagen:
    „Ja ich hatte eine schöne Beerdigung“

    • BiographinIW sagt:

      Hallo, Anna,
      vielen Dank für Ihre Antwort. Ich denke, wenn wir alles gut und in unserem Sinne vorbereiten, dann wird es auch so geschehen wie wir wollen.
      Darauf vertraue ich und das ist meine bisherige Erfahrung als Zeremonienmeisterin im Bereich Abschied gestalten . Ich in ja noch da und vertraue wie sie darauf.

      Mit guten Grüßen Biographin Irene Wahle

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