Michael Nyqvist, ein begnadeter Schauspieler, ist gestorben

Michael Nyqvist – ein großer Schauspieler – ist am 27. Juni 2017 von uns gegangen. Ich mochte sein Spiel. Am meisten berührt hat mich seine Rolle als Stardirigent Daniel Daréus, der zu seinen Wurzeln zurück kehrt, um zu heilen.

Kurze Rückblenden während des ganzen Films klären den Betrachter auf, warum aus Daniel das geworden ist was er ist. Sowohl als Musiker als auch als Mensch. Ihm erging es wie vielen Menschen, die anders sind als der Großteil der Menschen um sie herum. Er war ein zarter, kreativer und hochsensibler kleiner Junge. Ein kleiner Mensch, der die Musik über alles liebt und ein Berufener ist. Deswegen hänseln ihn die starken Jungen um ihn herum. Schlagen ihn und nehmen ihn nie in ihre Gemeinschaft auf.  Seine liebende Mutter steht an seiner Seite, beschützt und fördert ihn. Bis  sie, noch in seinen Kindheitstagen, von einem Auto überfahren wird.

Daniel geht seinen Weg und wird ein gefeierter Stardirigent.

Sein Kalender ist auf sechs Jahre ausgebucht. Die Leidenschaft für die Musik droht ihn zu verglühen und er erleidet während eines sinfonischen Konzerts einen Herzinfarkt. Daniel zieht seine Konsequenzen, legt die Arbeit erst einmal nieder und kehrt in das Dorf seiner Kindheit zurück. Der Arzt gab ihm mit auf den Weg:

„Der nächste Herzinfarkt wird ihr letzter sein. Dann sind Sie tot.“

Lebenslang ruht ein Traum in Daniel, der zur Entfaltung ruft.  Er will Musik machen, die die Herzen der Menschen öffnet und sie in Liebe miteinander verbindet.

Im Dorf Ljusåker kauft er die Dorfschule

und dort mitten im Winter einzieht.  Karg ist es drinnen. Sein Klavier bringt er mit. Engel sind an die Wand gemalt. Die Schultafel ist noch da. Der Wasserhahn hat seine Macken. Vor der Haustür und in der ganzen Gegend ist die Luft rein, klar und eiskalt.

Eigentlich will Daniel seine Ruhe haben, geht nur ins Dorf. Muss es aber, um sich zu versorgen. Daniel, nach Jahren im brodelnden Leben festgezurrt, ist jetzt am Liebsten für sich allein. Im Dorfladen kommt er dann ganz sachte mit Lena in Kontakt. Sie ist die  ob ihrer Männergeschichten verschriene Frau, die doch am Ende nur auf der Suche nach Liebe ist, so wie wir alle.

Lena singt im örtlichen Kirchenchor.

Genau wie Arne, der Besitzer des Sportladens. Arne hört, das ein Musiker im Dorf angekommen ist und will ihn sogleich für den Chor werben. Denn dem fehlt ein wirklicher Fachmann. Der Chror dümpelt vor sich hin. Widerwillig willigt Daniel ein. Zögerlich übernimmt er die Stelle des Kantors der hiesigen Kirche. Der Chor gehört der christlichen Gemeinde des Dorfes an, nutzt die Kirchenräume für die Proben und ist der Oberhoheit des Pfarrers unterstellt.

Daniel sträubt sich eine Zeitlang. Willigt dann doch ein und hat eine

Vision: die Menschen für Musik zu begeistern

Michael NyqvistEr will mehr als ihnen Gesangsunterricht geben: er will sie dahin bringen, dass jeder und jede von ihnen genau IHREN oder SEINEN Ton findet.

Dazu greift er zu ungewöhnlichen Mitteln. Zufällig und ungebeten auf den Plan tretende Gäste und die Frau, die einst den Chor leitete, wittern Unzucht und mehr. Zwietracht ist gesät.

Doch Daniel geht, mit der ihm ihnewohnenden Kraft des unschuldigen Kindes weiter seinen Weg der Liebe. Die Werkzeuge der Liebe, die Musik sollen den Chormitgliedern helfen, ganz sie selbst zu sein im Gesang.

Der Gottesmann, der Wasser predigt,

aber Wein trinkt,  will Daniel nur noch weg haben. Wie alle sucht er die Liebe, glaubt an einen strafenden Gott, der seine Augen bis in den letzten Winkel der Schlafzimmer der Menschen schweifen lässt.

Daniel, der dem Weg der Liebe folgt, beleuchtet unbewusst dessen Schwachstellen des Gottesmannes, was den Pfarrer zur Raserei bringt. Genau wie der Umstand,  dass sauch seine Frau voller Hingabe und Begeisterung im Chor mitsingt und sich mehr und mehr seinem Machtgehabe entzieht.

Michael Nyqvist spielt die Rolle des Daniel, der sein inneres Kind nie verloren hat, mit einer Hingabe, das mir immer wieder die Tränen fließen und ich Gänsehaut bekomme. Das gleiche gilt für das Spiel aller anderen. Auch Lena, obwohl die als Dorfschlampe verschriene, strahlt eine Reinheit und Kraft aus, die selten in der Welt des Schaupiels zu finden ist.

Gefühvoll und in kindlich-liebevoller Art entdeckt Daniel die Welt.

auch dank Lenas. Er und Lena kommen sich sanft und auf eine fast unschuldige Art näher, die ins Herz geht. Ich habe dabei fast vergessen, dass hier „nur“ zwei Schauspieler ihre Rollen brillant verkörpern.

Daniel geht mit ihr schwimmen, hopst mit nackten Füßen durch den Schnee. Klappert im Winter in der alten Dorfschule vor sich hin und lernt Fahrrad fahren. Die engelhafte Lena, die genauso verletzt wie er,  entflammen in Liebe.   Das Spiel der beiden ist einfach nur Gnade. Wie das Spiel aller übrigen Schauspieler, von dem jungen geistig behinderten Tore angefangen, der auch mitsingen will. Den manche weg haben wollen, weil er der Dorftrottel ist. Tore wird dann doch in den Chor aufgenommen, weil er der fehlende Bariton ist.

Dann gibt es da noch Gabrielle, eine junge verunsicherte Frau, die von ihrem Mann geschlagen wird.

Die alten Dinge kochen hoch, jemand will Daniel ertränken, als der gerade mühevoll schwimmen lernt. Und das, weil Daniel die Menschen sich selbst nah bringt.

In dem Chor wird die Welt auf den Punkt gebracht

Die Chormitglieder krachen zusammen, alte Wunden brechen auf und dürfen endlich heilen. Eine neue Welt, eine neue Gemeinschaft entsteht. Um Gabriella zu stärken, schreibt Daniel ihr ein Lied. Sie trägt es auf dem Dorffest vor.

Ein Lied, indem sie sich voller Stolz und Würde zu sich und ihren Herzenswünschen bekennt. Ihr Mann macht ihr danach die Hölle heiß. Gabriella, schafft es auch dank ihres Dirigenten und der Kraft der Musik aus ihrer von Gewalt geprägten Beziehung zu entkommen. Ihren Mann in Liebe anzunehmen und ihn loszulassen.

Schließlich fahren alle zusammen nach Österreich zu einem Chorfest.

Der Pfarrer hat sich wieder eingekriegt und verabschiedet seine Frau. Was aus den beiden wird, bleibt offen.

Am Ende stirbt der Hauptdarsteller während eines Chortreffens, während sein Chor auf ihn wartet und Tore dann seinen ganz persönlichen Ton anstimmt … Alle Chormitglieder stimmen ein. Der Gesang schwingt sich auf in immer höhere Höhen geistigen Sein. Die anderen fremden Chöre, die gerade noch miteinander um Platz eins ringen wollen, stimmen Mensch für Mensch ein … mit ihrem ganz persönlichen Ton

Ein Konzert, eine Musik  – die wenn ich nur daran denke – sofort Gänsehaut bekomme.

Der sterbende Daniel hört die Musik  ….

Den Film habe ich wohl sieben Mal gesehen und er berührt mich immer wieder. Ich sehe ihn mir bestimmt noch sieben Mal an.

Eine Paraderolle für Michael Nyqvist

Als der Film bei uns im Lichttheater Wundervoll lief, war er permanent ausgebucht. Lange Wartelisten bis ich an der Reihe war. Das gab es sonst nie und ich habe es auch nie wieder erlebt. Der Film war so ein Erfolg, dass Rostock Cinestar Capitol ins Programm aufnahm. Das habe ich seither auch nie wieder erlebt. … Und der Film lief vor Jahren …

Michael Nyqvist

Michael Nyqvist, Foto wikipedia

„Danke Michael Nyqvist für Ihr Sein.

Ihr Todestag wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es ist der Geburtstag meines Vaters.
Wenn ich mir in der Wikipedia Ihre Filmvita ansehe, dann haben Sie viel mit Daniel gemein gehabt:  leidenschaftlich für das zu brennen, worin ihr Herz schlug.

In der Schauspielerei. Denn seit 1998 haben Sie fast jedes Jahr mindestens einen Film gedreht. Manchmal mehrere.

Und in den Bereich der Mutmaßungen gehend, sind Sie ausgebrannt wie er….  Ich hoffe und wünsche, dass Ihnen in diesem Leben Zeit genug blieb, in Ihrem eigenen Leben anzukommen.

Erinnerung, so sagt man, ist das Fenster durch die wir die, die gegangen sind, immer sehen können. Insofern werden Sie immer ein Teil meines Lebens bleiben. Über ihre wunderbaren Filme und ihre besondere Art ihren Rollen Leben einzuhauchen.“

 

Kommen Sie gut über den Regenbogen ….

und wenn wir bei Nacht in den Himmel schauen,
scheint es uns, als lachen alle Sterne,
weil du in einem von ihnen wohnst.
weil du auf einem von ihnen lachst.
Du bist ins Leere entschwunden,
aber im Blau des Himmels hast du
eine unfassbare Spur zurückgelassen.

(Autor mir unbekannt. Inspiriert von „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry )

Bis auf die Zeit nach dieser Zeit.

Weiterführende Links

Wikipedia
Wie im Himmel
Michael Nyqvist, eine Biographie

Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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