Liebe ist … Schönheit (1)

… Die Schönheit ist das vollkommene Einverständnis
Zwischen Mann und Frau,
Das sich in einem Augenblick ereignet;
In einer einzigen Sekunde kann dieses Gefühl entstehen,
Das alle Gefühle überragt.
Und dieses geistige Gefühl ist es, das wir Liebe nennen.


Dieser wundervolle Gedanke des syrisch- amerikanischen Dichters und Malers Kahlil Gibran sei mir Einführung für eine zauberhafte Geschichte über die 1946 in Belgrad geborene und international anerkannte

Malerin und Performerin Marina Abramović

(Jugoslavien) geborene international anerkannte Performance Künstlerin.

„Mit Performance“, so schreibt es die Wikipedia: „wird eine situationsbezogene, handlungsbetonte und vergängliche künstlerische Darbietung eines Performers oder einer Performancegruppe genannt. Die Kunstform hinterfragt die Trennbarkeit von Künstler und Werk sowie die Warenform traditioneller Kunstwerke.“

Liebe

Marina Abramović (mit dem, ihr 2008 verliehenen, Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, Foto Manfred Werner, Wikipedia

Wie viele Künstler hat auch Marina Abramovic mit der Herausforderung zu kämpfen, das Menschen das, was sie tut, als Kunst in Zweifel ziehen. Ein gängiger Ausdruck, der die Arbeit von uns Künstlern gering und das eigene Ego allkönnend setzt, ist der, den ich aus meiner Galeriearbeit kenne. Er lautet:

„Was, das soll Kunst sein? Das kann ich doch auch!“

Die Künstlerin folgte einem weisen Rat, indem sie solcherart Sätze einfach ungestört im Raume stehen ließ uns mittlerweile seit 45 Jahren kreativ ihren Weg geht. In diesem Sinne wurde aus der studierten Kunstmalerin, die anfangs Zeichnungen fertigte und Texte dazu verfasste, eine begnadete Performerin, die ihre Lebensaufgaben als Künstlerin erfüllt:  Kunst soll mit ihren Mitteln Zeitgeschehen reflektieren, wachrütteln, aufrütteln, sichtbar machen, zum Nachdenken bringen und vor allem unsere Gefühle berühren. Sie berührte so manchen wunden Punkt in uns allen und forderte ihren Zuschauern so einiges ab.
Das brachte ihr Weltruhm und viele Professuren ein. Sie selbst verwandelte sich auf diesem Wege in ein lebendes Kunstwerk, das im Laufe ihrer Karriere sowohl die lichtvollen als auch die Schattenseiten unseres Stammes reflektierte. Sie Tempel Mensch –  und ist damit ein lebendes Beispiel für einen Gedanken eines mir unbekannten Autor:

„Da wo Liebe und Können zusammen arbeiten, entsteht ein Kunstwerk.“

2010 wollte Marina Abramović das unter Beweis stellen und veranstaltete eine Kunstschau der etwas anderen Art. Eingeladen wurde sie dafür in eines der berühmtesten Museen der Welt, ins Museum of Modern Art in New York, kurz MoMA genannt. Herzstück ihrer großen künstlerischen Rückschau

„Der Künstler ist Gegenwart“,

bildete ein Raum in dessen Mitte ein Tisch mit zwei sich gegenüberstehenden Stühlen standen. 750.000 Menschen nahmen die Einladung an und standen an 90 Tagen stundenlang Schlange, um gegenüber der regungslos in einem schillernden roten Kleid dasitzenden Künstlerin Platz zu nehmen. Einer Frau, die zu ihrer Instinktnatur und zu ihrer Weiblichkeit steht. Das bedeutet, sie ist ein Mensch, der seine Emotionen lebt und gut in dieser Ebene zu Hause ist. Das hat ganz schnell jeder erfahren, der ihr gegenüber Platz nahm. Denn mittels ihrer inneren Stärke und diesem konzentrierten bei sich sein, hat sie all die Menschen sich selbst und in ihre Emotionen nah gebracht…

Sie saß wochenlang einfach still da.

Das was sicherlich wahnsinnig anstrengend, sich mit den Energien so vieler Menschen über den Kontakt der Augen zu konfrontieren. Denn wie heißt es so schön:

„Die Augen sind das Fenster zur Seele.“

Und dann geschah etwas Wunderbares.

Ihr einstiger Geliebter Uly,

ebenfalls kunstschaffend, nahm auf dem Stuhl ihr gegenüber Platz. 12 Jahre waren beide ein Paar gewesen, sowohl in der Kunst als auch im Leben. Sie waren zusammen in einem Wohnwagen durch die Welt gereist und hatten spektakuläre Kunst-Events zusammen kreiert. Wie kann es anders sein, haben die beiden auch ihr Loslassen inszeniert, als sie 1988 an einer Grenze ihrer fruchtbaren Beziehung angelangt waren. Und diesem Abschied sollte ein legenderes Kunstprojekt einen unvergesslichen Schlusspunkt krönen. Nach langen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden erhielten die beiden die Erlaubnis,

„Die Geliebten: die große Mauer und der Rand.“

auf der Chinesischen Mauer aufzuführen. Was für eine Symbolik.

Beide näherten sich aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen an, um einander „AUF WIEDERSEHEN“ zu sagen. Marina Abramović ging vom Ostende der Wand los. Am Shan Hai Guan, das sich an den Küsten des gelben Meeres befindet. Dann trafen sich beide in der Mitte….

Dann trennten sich für 21 Jahre ihre Wege,

sie verweigerten sich dem Kontakt und verloren sich aus den Augen. Bis zu jener Ausstellung, bei der sie zuerst miteinander ins Gespräch kamen und er dann später an diesem Tisch Platz nahm. An dem die große, schöne Frau ein einziges Mal während ihrer ganzen Retrospektive die Fassung verliert. Schauen Sie sich dieses Video an, achten Sie auf die Sprache der Körper und …

… lassen Sie auf sich wirken, dass Menschen die sich einmal in Liebe begegnet sind, immer in Liebe verbunden bleiben, selbst wenn sie einander loslassen.

P.S. Und wenn ich mich frage: „Ist das Kunst?“ Dann sage ich „Ja.“ Denn diese Performance macht die Kraft und die Schönheit der Liebe auf eine mich tief berührende Weise sichtbar.

Weiterführende Links
Bild der Frau
Liebe stirbt nie:
Dokumentar-Film (OmU)
Der Künstler ist Gegenwart
Spiegel online:
Doku- Film über Marina Abramović: Diese Frau kriegt alle rum
Die Kraft der weiblichen Urinstinkte
Die Wolfsfrau
Die Wolfsfrau – Pinkola Estès
Marina Abramović und Uly 1976 -1988
Das Künstlerpaar
Leiden für die Kunst
Zeit online
Mit 70 muss man den Bullshit reduzieren

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Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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