Leseprobe aus dem „Kandelaber-Heckmann“ Der Große Stern Berlin

Heute möchte ich Ihnen ein Kapitel aus einer Biographie vorstellen, für die ich den 1. „Deutschen Biographiepreis“ (2008) gewonnen habe. Es ist der „Kandelaber-Heckmann  – eine  Berliner Lebens, – Licht – und Liebesgeschichte“ Und das mit freundlicher Genehmigung von Hans Heckmann. Seines Zeichens Berliner Betriebsingenieur, der über Berlins Grenzen hinaus als Experte für künstliches Licht gilt. Sein Herz  gehört Berlin, ihren Menschen, ihrer Archtitektur und ihren einmaligen Kunstschätzen.  Als junger Mann war Herr Heckmann der jüngste Offizier der deutschen U-Boot Flotte. Die Ausbildung zum Tiefensteuer dauerte solange, das Gottlob der Krieg vorbei war, als er fertig war. So blieb ihm das Schickal vieler seiner Kamaraden erspart, die im großen U-Boot-Sterben ihr Leben ließen. Es begann als die Allierten einen Schüsselcode der damaligen deutschen Sendefrequenzen über Radar entschlüsselt hatten. Die Erfahrungen dieses Krieges ließen in dem jungen Offizier die Erkenntnis reifen, sich nie wieder einer Partei anzuschließen, sich statt dessen für eine Sache einzusetzen und auch mal Zivilen Ungehorsam leisten wolle. Der „Große Stern“  und viele weitere Kulturgüter in Berlin verdanken diesem, seinem Zivilen Ungehorsam viel. Hier nun die versprochene Leseprobe:

Der Große Stern

Leseprobe BiographinIW

Buchübergabe „Kandelaber-Heckmann und 1. Lesung im Kreis geladener Gäste. Foto privat

Eines der ersten Projekte, das von dem einsetzenden Mittelstrom profitierte (Anmerkung BiographinIW: Berlin sollte aus dem, sie umgebenenden sozialistischen Meer herausstrahlen und die Westberliner zum Bleiben anniemieren. Deshalb stellte die Bundesregierung seit ihrer Gründung 1949 immer reichhaltiger fließende Mittel zur Verfügung), war der „Große Stern“, der Platz Berlins, in dessen Mitte die Siegessäule von den Siegen der Preußen über Österreich, Dänemark und Frankreich in den Einigungskriegen bis 1871 kündet.
Ursprünglich stand die Säule vor dem Reichstag, bis Adolf Hitlers Chefarchitekt Speer sie in die Nähe des Tiergartens verfrachten ließ, um Platz für seine gigantischen Aufmarschpläne zu schaffen.

Im Jahr 1975 sollte diesem Berliner Markenzeichen

eine neue Beleuchtung angediehen werden. Dabei war die Idee der Verantwortlichen, wie kann es anders sein:

„es möge doch trotz allem recht ökonomisch dabei zugehen.“

Bis zu diesem Tag umstanden seit Kriegsende Holzmasten mit Freileitungen, die 1953 durch Stahlmasten ersetzt wurden, das Denkmal. Ein 30 m breiter Fahrbahn-Ring umschließt die Siegessäule. Nun sollten  18 Meter hohe Hochleistungsleuchten im Abstand von 55 Meter aufgestellt werden. Um mir das bildlich vorzustellen, machte ich mich an einem Abend bei hereinbrechender Dunkelheit auf den Weg und setzte mich mit genügend Abstand vom „Großen Stern“ auf eine Bank. So zurückgelehnt dasitzend, sinnierte ich lange vor mich hin, betrachtete das Bauwerk und vor meinem geistigen Auge formte sich das Bild mit den konzeptionierten Masten. Mir wurde übel und ich dachte:

Nein, so geht das nicht! Wider jedem maßstabgerechten Denken!  Der ganze Blick auf die Säule ist gestört und der Bezug zur Historie fehlt gänzlich!

Mit dieser inneren Klarheit ausgestattet, machte  ich mich auf den Weg zu einem ersten offiziellen Baugespräch. Es trafen sich der damalige Senatsbaudirektor Hans Christian Müller, Fachleute aus den zuständigen Gewerken, mein Abteilungsleiter, Herr Liman und der Landeskonservator. Und das mitsamt seinem Mitarbeiter, Herrn Kloos. Ich erzählte von dem Planungsvorhaben, meinem nächtlichen Besuch und meinen daraus resultierenden Erkenntnissen. Alle hörten mir aufmerksam zu, dachten nach und pflichteten mir bei. Der von mir geschätzte Senatsbaudirektor Müller meinte:

„Der Große Stern ist kein Fußballfeld.“

Mit dieser Aussage waren die Wege für eine historische Beleuchtung geebnet. Im ersten Schritt sollte es zu einer Zwischenlösung mit acht Meter hohen historisierenden Bischofsstäben kommen.
Das war für mich eine supoptimale Lösung, aber immerhin zehn Meter weniger an Mastenhöhe. Ich wackelte bedenklich mit dem Kopf. Da trat der Referatsleiter Dipl. Ing. Habermann auf den Plan. Er war Techniker, doch er äußerte sich wie ein Gestalter. Seine Kritik an dem Kompromissvorschlag:

„Die Höhe der Lichtmasten stört den gewaltigen Granitsockel der Säule mit seinen Reliefs.“

Damit bestärkte mich dieser Mann in meinem Vorhaben. Ein weiterer wichtiger Beitrag kam ebenfalls von ihm, als er vorschlug, mit Signalanlagen die Geschwindigkeit des Verkehrs an diesem Platz zu drosseln. Als Zuständiger leitete er alles dafür Notwendige in die Wege. Ich setzte mich hin und überarbeitete die Konzeption für die Platzbeleuchtung. Gemeinsam mit Herrn Kloos recherchierte ich und wir stießen auf die Unterlagen der ehemaligen Platzbeleuchtung. Gestützt auf dieses Wissen entwarf ich einen Neuvorschlag. Anstelle der ursprünglichen Bischofsstäbe schlug ich zweireihig vier Meter hohe Guss-Mast-Kandelaber vor, die in dichter Abfolge von einhundert Stück den Platz umstehen sollten, um für genügend Helligkeit zu sorgen. Vier Meter Höhe für die Masten war übrigens der goldene Schnitt in Bezug auf den ganzen Platz, die Siegessäule und die Fahrbahnbreite mit ihren 30m. Nach Fertigstellung des Entwurfs legte ich selbigem meinem Gruppenleiter, Herrn Hohm, vor und der befand ihn für gut. Auf diese Weise wurde das Projekt „Großer Stern“ historisch ausgeführt, so wie der Senatsbaudirektor, ich und alle Beteiligten es gewünscht hatten.

Leseprobe Biographin Irene Wahle

Großer Stern bei Nacht, Foto Matty Juhuu. wikipedia

Wer heute des Nachts an der Siegessäule vorbeigeht oder fährt, kann etwas von der feierlichen Atmosphäre spüren, die dieser Platz inmitten des Großstadtgetümmels seither wieder ausstrahlt.

(Quelle: Kandelaber-Heckmann – eine Berliner Licht, Lebens- und Liebesgeschichte. Hans Heckmann/Irene Wahle 2007 Erstauflage)

Weiterführende Links
Referenzen Biographin Irene Wahle
Biographien schreiben lassen
„Großer Stern“ in der Wikipedia

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Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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