Lebenserinnerungen oder Grüße aus dem Jenseits

Meine Arbeit in der Auseinandersetzung mit den Lebenserinnerungen meiner Kunden hält immer wieder Überraschungen bereit. Ich bin jemand, zu dem die Menschen schnell Vertrauen aufbauen. Und wer Vertrauen in einen Menschen setzt, der öffnet sich. Die eine oder andere mit den intimsten Dingen. Die Menschen wissen ihre Geheimnisse gut bei mir aufgehoben. Heute ist der zweite Todestag meines verstorbenen Kunden und diesen Tag möchte ich nutzen, um die Geschichte einer wunderbaren Fügung zu erzählen.

Lebenserinnerungen, die gelebtes Sein widerspiegeln

Meine Kundinnen und Kunden wissen, dass nur das in ihrer Biographie geschrieben steht, was ihren Segen hat.

Gleichzeitig gelingt es mir, durch meine Offenheit, das die Menschen sich in ihren starken und schwachen Seiten zeigen. Sowohl mir, als auch über ihre Werke in den Biographien und Firmenchroniken.

Aber jeder Mensch hat eben auch seine Geheimnisse, die weiter im Verborgenen ruhen sollen.

Manche meiner Kunden nehmen ihre Geheimnisse dann mit ins Grab anstatt sie mir als Biographin oder anderen Verwandten zu offenbaren. Das ist in Ordnung für mich. Auch das macht Menschsein aus und ich bin schließlich nur dafür da, das aufzuschreiben, was alle wissen sollen.

Und dann geschieht es, dass etwas passiert, was mir wie

Grüße aus dem Jenseits

anmutet. Da bekomme ich eine E-Mail in der der Name eines einstigen Kunden von mir steht. Und ich so:

„Was wird das jetzt?“

Das ganze auch noch auf Englisch. Ich wollte die E-Mail erst löschen, in der Annahme da schickt mir jemand eine Spam. Einem inneren Impuls folgend, übersetze ich den Text … und mir bleibt vor Staunen erst einmal der Mund offen stehen. Denn da steht schwarz auf weiß:

„Ich bin die uneheliche Tochter von …“

Namen lasse ich aus Datenschutzgründen und weil mir mein Kunde nie davon erzählt hat, weg. Über einen Blog von mir sei sie darauf aufmerksam geworden, das ich mit ihrem leiblichen Vater zusammen gearbeitet habe. Sie berichtet, dass seine Mutter eine kurze Liason mit ihm inmitten der Wirren des zweiten Weltkrieges hatte. Das sie die Frucht dieser Liebe ist und das … ein ehrenwerter Mann gewesen sein muss, den er hat die Vaterschaft anerkannt und auch immer gezahlt. Selbst dann, als sie mit ihrer Mutter ans andere Ende der Welt auswanderte.

Ein 61 Jahre gehegter Herzenswunsch erfüllt sich

Außerdem erzählt mir die Frau, die mittlerweile selbst Penionistin ist, das sie seit ihrem 17. Lebensjahr den Wunsch hegt, mehr von ihrem Vater zu erfahren. Eine norddeutsche Adresse eines Jugendamtes, die sie hatte und anschrieb, erwies sich als Sackgasse. Niemand antwortete ihr und sie dachte, sie würde nie etwas von ihrem Vater erfahren …

Und nun, 61 Jahre später und mit mehr Zeit für die Suche nach ihrem  Vater, stößt sie auf meinen Blog.

Sie möchte sich gern mit mir treffen, wenn sie im Herbst diesen Jahres mit ihrem Sohn für drei Wochen nach Deutschland kommt. Durch meinen und andere Berichte sei sie darauf aufmerksam geworden, was für eine prominente Persönlichkeit ihr Vater gewesen sei. Sie wird in Berlin sein Grab besuchen und ist traurig, das er gestorben ist…

Mein erster Impuls:

… Leben ist immer nur Leben

„Oh wie wundervoll, die Gene und der Geist von … leben doch weiter! … hat sogar einen leiblichen Enkelsohn und zwei leibliche Urenkel.“

Dann lese ich weiter und freue mich einfach für den Verstorbenen, dessen Lebenserinnerungen ich aufschreiben und reflektieren durfte. Gleichzeitig frage ich mich, warum … nie diesen Kontakt gesucht hat. Und dann denke ich:

„Ok, das ist die Baustelle von… und weniger meine.“

Gern möchte ich seiner Tochter die Antworten aus den Lebenserinnerungen geben, die ich geben kann aus meinem Wissen. Ich antworte der Dame, die mittlerweile selbst über achtundsiebzig Jahre alt ist, hänge an diesen elektronischen Brief auch einige Fotos an, die mir für die Pressearbeit überlassen worden sind und einen Auszug aus den Lebenserinnerungen. Mit einem Treffen bin ich einverstanden, weil ich das Gefühl habe, es ist im Sinne meines verstorbenen Kunden.

Die Antwort kam dann ein paar Tage später:

„Ich bin begeistert zu lesen, dass Sie [ …] und mich in [ … ]treffen möchten, um eine …. ….. Gedenktour zu starten. Das ware ja so wunderbar.  Wir sind in  […] von […] Aber wenn es nicht moeglich ist, ist das Sie es nicht machen können, dann kommen wir nach Rostock.

Blau ist auch meine Lieblingsfarbe. 

Hans Heckmann

Eine Kerze in stillem Gedenken entzünden., Foto Irene Wahle

Das Anzünden von Kerzen für […] und blaue  Blumen für den  Friedhof, dann zu seinem Lieblings-Kaffeehaus für Pflaumenkuchen ist perfekt!

Und dann noch mehrere Gläser Merlot! …  […], im Geiste, würde es auch gefallen. 
Ich, wie du, glaube an ein Leben nach dem Tod.

Ich kann verstehen, dass Sie Biographien schreiben und […] und Beerdigungen zelebrieren.  Sie haben eine großartige Art und Weise mit Worten umzugehen, die Fürsorge, Liebe und Verständnis hervorbringen.

Ich freue mich auf das, was geschehen will und merke einmal mehr:

„Ich wähle das Wunder und das Wunder wählt mich.“

 

Weiterführende Links

Biographien schreiben lassen

Kunstvoll Abschied nehmen – Ein Fachbuch fürs Leben

Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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