Die Hütte – ein Wochenende mit Gott

Bin total gerührt von einem Film den ich mir am Ostersonntag angeschaut habe: Die Hütte – ein Wochenende mit Gott.  Das Drama basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des kanadischen Autoren William Paul Young. Ein Film der um die Bewältigung von Trauer kreist. Das jüngste Kind der Familie ist während eines Campingwochenendes entführt, missbraucht und ermordert worden. Schuld- und Hassgefühle, nie enden wollender Schmerz, die Trauer um den Verlust des geliebten Kindes und der Schwester stehen im Raum. Vater und Tochter vermauern sich in ihrem Schmerz. Sind unerreichbar für ihre Mitmenschen und kreisen endlos in ihrem Leid.

Die Mutter wird von ihrem Glauben getragen…

Der Hauptdarsteller zweifelt, verzweifelt und fragt sich immer wieder, wieso Gott die Menschen liebt und trotzdem so viel Leid und Unrecht auf der Erde zulässt?
Diese Frage beschäftigt viele Menschen.

Selbst befasse ich mich wieder einmal wie gefügt

mit dieser Fragen. Dieses Mal zusammen mit einem Kunden mit dieser Frage.  Er hat seine Antwort darauf gefunden. So wie ich meine Antwort darauf gefunden habe. Antworten, die der in dem Film ähneln. Antworten, die während einer langen Auseinandersetzung aus ihm heraus gewachsen sind. Er hatte sich gefragt, warum Gott solches Leid zulässt, nachdem er in Israel mit überlebenden Menschen des Holocaust zusammen getroffen war.
Mein Kunde hatte damals als gerade 19jähriger junger Mann Bilder aus Vernichtungslager gesehen, bei dem ein Wärter ein Kind solange gegen eine Wand schlug, bis es tot war. Dieses Erlebnis schockierte meinen Kunden und überstieg sein Vorstellungsvermögen. Das Thema hatte sein Herz berührt, Fragen aufgeworfen und eine intensive zwanzigjährige Beschäftigung ausgelöst. 
Er wollte wissen und ging in die Tiefe der Dinge, um zu verstehen. Dann begann er zu verstehen und konnte doch nie begreifen wie Menschen Menschen soetwas antun können.

Das ist auch das, was mich an „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ tief bewegt …

anstatt in der Fassungslosigkeit solcher Taten stecken zu bleiben, steigt er in die Tiefe des Problems ein. Voller emotionaler Bilder wird dem Betrachter die Familie vorgestellt bis zu jenem Moment, als das Kind verschwindet und die Welt in der Kälte des Winters versinkt.
Der Held erhält inmitten seiner Verzweiflung eine Einladung von Gott, ein Wochenende mit ihm in eben jener Hütte zu verbringen, in der das rote Kleidchen des Kindes gefunden wurde, zusammen mit Blutspuren des zauberhaften Mädchens. Nie wurde die sterbliche Hülle des Mädchens gefunden. Nach langen Bedenken nimmt er die Einladung an.
Der Film entwickelt sich dann an Möglichkeiten des Realen und überschreitet die Grenzen des Mystischen. Eine in sich vollkommen schlüssige Geschichte, die spirituelle Wahrheiten und wissenschaftliche Erkenntnisse über Nahtoderlebnisse zu einem wundervollen Gesamtkunstwerk vereint.

In der Tiefe beleuchtet „Die Hütte – ein Wochenende mit Gott“ 

facettenreich in der Verkörperung des männlichen und weiblichen Aspekts des Göttlichen alle Fragen, die dem Helden auf dem Herzen brennen.  Gott nimmt den Menschen in seiner Verzweiflung, seinem Zorn und seiner Wut liebevoll an.
Der Mann trifft Gott zuerst in der Verkörperung einer schwarzen Frau und dann in der Verkörperung eines männlichen Indianers. Jesus in der Verkörperung eines Juden. Die Intuition, den großen Geist in der Verkörperung einer Asiation und die Weisheit in der Verkörperung einer Europäerin.
Die HütteVon Bibel festen Kreisen wurden diese Darstellung als Sakrileg angesehen. Also die Verunglimpfung von etwas Heiligem. Da wird bezeugt, dass Gott niemals eine Frau war und der große Geist niemals eine Asiation. Es steht im Buch der Bücher geschrieben. Das ist wohl wahr. Aber sicher nur eine Seite der Wahrheit, die ja bekanntlich viele Gesichter hat.
Ich finde diese Darstellung bravorös gelöst. Denn bildhaft führt sie vor Augen, dass unser aller Körper die Tempel sind, in denen Gott und Göttin als Milliardsten Teil seine oder ihre Wohnstatt nehmen will.
Ursprünglich war das Buch: Die Hütte – ein Wochenende mit Gott nur als Geschichte für die Tochter des Autors gedacht. Doch dann schrieb er sie auf und das Buch blieb über 70 Wochen in den Bestsellerlisten. Später wurde dieser Longseller verfilmt.Ein eindrücklicher Beleg für mich,  welche tiefen Wahrhaftigkeiten dieser Film bei ungezählten Menschen innerlich berührt. Auch als Wegweiser wie wir uns und unseren Schmerz heilen und die alten Erfahrungen transformieren können.

Gott, der in diesem Film den Namen Papa trägt,

Jesus, der große Geist und die Weisheit unterstützen den Helden des Films sich seines Schmerzes bewusst zu werden, ihn zu heilen und in seine Antworten hinein zu wachsen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es bei den tiefsten Wunden unserer Seele darum geht, sie zu verstehen und sich mit dem Schmerz auseinander zu setzen. Das braucht seine Zeit, kann Jahre dauern und ist ein Prozess. So wie es in diesem Film einen Verursacher des Leids gibt, kommt dann irgendwann der Moment, diesem Menschen zu  verzeihen. Vergebung als einen Akt der Liebe, die niemals eine Tat ungeschehen machen will. Statt dessen leidgeprüften Menschen hilft, ihren Schmerz zu tranformieren und die Schranke zu öffnen, die neue Entwicklungen ermöglicht.
Die Schranke öffnet den Blickwinkel, fragt nach, wo Schuld beginnt und wo sie aufhört. Jesus formulierte das einmal treffend:
„Wir alle sehen den Dorn im Auge des anderen. Doch wir übersehen den Balken im eigenen Auge.“
Der Missbrauch und der Tod eines Kindes sind etwas, was unser Vorstellungsvermögen übersteigt. Es ist wieder die Natur des Universums, das ein nachfolgendes Kind vor den Eltern geht. Wenn es dann noch gewaltsam geschieht, ist die Tiefe des Leids für die Betroffenen unermesslich.

Deshalb kann es nie einfache Antworten auf eine solche Tat geben

In diesem Sinne sucht der Regisseur Stuart Hazeldine in seiner warmherzigen Verfilmung nach Antworten. Wer auf seinem persönlichen Lebensweg unterwegs ist, versteht die Gleichnisse und Botschaften ganz natürlich aus dem Inneren heraus. Wer diesen Film schaut, wird in jedem Fall berührt. Die Bilder und Gedanken sind Methaphern. Also Gleichnisse, durch die wir verstehen lernen können. Das weite Feld über das Gott mit dem Helden wandert und an dessen Horizont Licht in allen Farben des Regenbogens sichtbar wird.
So sieht Gott, so sehen erleuchtete Menschen wie der Dalai Lama und reife Menschen, ihre Mitmenschen.
Der Held kann für diese Momente durch die göttlichen Augen schauen. Sein Vater kommt mit einer leuchtend roten Aura auf ihn zu. Jener Mann, der ihn und seine Mutter geschlagen hat. Aber auch jenes Wesen, dem er selbst Leid zugefügt hat, indem er seinen Schnaps pantschte mit Spiritus. Und er sieht die Geschichte des Vaters, eines kleinen Jungen, der von seinem Vater geschlagen wurde …

Wo fängt Leid an? Wo hört Leid auf?

Soll es ewig so weiter gehen oder durchbrechen wir die Kette des Leids, weil wir erkennen:

Wir alle sind in der Essenz Liebe,

und wir sehen nach Liebe und Annahme. Aber wir sind auch menschliche Wesen, die in sich eine Geschichte tragen und in jedem Moment des Lebens Erfahrungen machen. Erlebnisse, die schön oder verletzend sind und sich wie die Häute einer Zwiebel um unseren lichtvollen inneren Kern legen. Häute, aus denen je nach dem Grad der Verletzungen Mauern werden. Diese Mauer ist das Ego, das uns von den anderen trennt. Von den Lebenden und den Toten.
Ein weiteres wunderbares Gleichnis erlebt der Held, als er der Aufforderung Jesus nachkommt. Er geht den Weg bis zu Ende und wenn der Weg zu Ende ist, dann soll er weiter gehen. Dort angekommen, steht er vor einer Felswand. Rein logisch ist es  unmöglich durch den Felsen hindurch zu gehen. Der begrenzte Verstand in uns schreit sofort auf.  Unser Unbewusstes klatscht in die Hände, denn es weiß: es ist ja nur das Bild für das Ego. Wenn wir uns entscheiden, die Mauern dessen einstürzen zu lassen, was uns von der Welt trennt, dann gehen wir durch Wände ins „Neuland neuer Erfahrungen.“

Und wenn das gelingt, dann verbinden wir uns wieder mit unserer Weisheit

Sie wohnt in jedem von uns. Sie ist immer da und wartet darauf, das wir uns ihr zuwenden und ihren weisen Rat hören.  Wenn das gelingt, dann bricht auch die Grenze zwischen Leben und Tod auf. Denn der Tod ist nur ein Horizont und wie dieser ist er niemals das Ende, sondern der Beginn eines neuen Weges. Sich in einer Höhle befindend mit seiner Weisheit ins Gespräch kommend und über Schuld und Sühne nachdenkend, öffent sich der Fels und er kann sein kleines Mädchen sehen …
Die unbegrenzte Kraft des Unbewussten, die weibliche Seite in uns allen, hilft ihm dank seiner Imagination das Grab seines kleinen Mädchens zu finden …
Ein wirklich bemerkenswerter Film für all die Menschen, die hinter den Vorhang des scheinbaren Seins schauen wollen. Es gab mehrere Stellen, die mich so bewegt haben, das ich weinen musste…

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Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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