Biographien schreiben lassen: Über die islamische Revolution im Iran

Biographien schreiben lassen hat viele Facetten, unter anderem die, sich mit anderen Religionen und Kulturen auseinander zu setzen.

Während dieser Auseinandersetzung bin ich auf einen Menschen aufmerksam geworden, der in der Stadt geboren wurde, in der mein Kunde die Islamische Revolution erlebte. Eine Zeit, die mein Kunde auch gut überstand, weil er als Deutscher dort gut angesehen war, während sich auf Juden und Amerikanern aller Hass ablud.

Warum das so war, recherchierte ich und stieß auf einen tief schürfenden Artikel  des eingangs erwähnten Menschen. Er ist Dozent, Journalist und Nahost-Experte und heißt Dr.  Behrouz Khorsozadeh. Der Artikel, der das Verhältnis zwischen Persern und Juden beschrieb, erschien auf INN, mutmaßlich „InterNetNew“, ein Portal für neue Nachrichten im Netz, berührte mich.  Facebook machte es möglich, mich mit ihm zu vernetzen und erste Impulse auszutauschen.

Beispielsweise schrieb ich diese Nachricht auf Facebook:

„… beschäftige mich gerade für eine #Lebens-Zwischen-Bilanz mit der islamischen Revolution im Iran (1978-1979). Daher auch mit dem Islam. Wußten Sie, dass 1,5 Milliarden Menschen weltweit dieser Religion angehören? Und das zu den Grundsätzen dieser Religion der Gehorsam gegenüber Allah und seinem Bodenpersonal auf Erden gehört. Freiheit ist weniger eine Facette dieser Glaubensrichtung. Die Zeit titelte damals, als der Führer der Islamischen Religion zurückkehrte, der dann auch der erste Präsident dieses Landes wurde:

‚In 12.000 Meter Höhe fliegt der fromme Greis fast so schnell wie der Schall zurück ins Mittelalter‘“ …

Wenig später antwortete mir  Behrouz Khorsozadeh

„Irans neuzeitliche Geschichte ist sehr kompliziert

als man sie via FB-Einträge diskutieren könnte. Jedenfalls hatten die Iraner/Iranerinnen keinen blassen Schimmer davon, was Ayatollah Khomei anstrebt. „taqiyya“ (Täuschung, Verheimlichung) ist im Islam (besonders bei Schia) hochgeschrieben, allerdings im defensiven Sinne (Wenn Leib und Leben in Gefahr ist, darf man lügen). Ayatollah Khomeini hat diesem Begriff völlig neue Inhalte verliehen. Alles ist erlaubt um ans Ziel (islamische Regierung) zu gelangen, Nicolo Machiavelli

(Anmerkung BiographinIW: war ein florentinischer Philosoph und gilt als erster moderner Staatsphilosoph. Er war ebenso Politiker, Diplomat, Chronist, Schriftsteller und Dichter. Machiavelli ist der Welt aber vor allem durch das Werk „Der Fürst“ in Erinnerung geblieben. In diesem Buch untersuchte er  das, was wir „Macht“ nennen analytisch.

Aus seinen Erkenntnissen entwickelte er Methoden für Männer, die Macht erlangen und sie bewahren wollen. Eine Macht, die jenseits ethischer, moralischer und sittlicher Werte liegt und nur die eigenen egoistischen Ziele verfolgt. Der Name Macchiavielli ist seither zum Synonym rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel geworden)

lässt grüßen. Im Falle des Iran ist eher die Elite (herrschende und die Oppositionelle) schuld als externe Mächte (Verschwörungstheorie). Iran der Schah-Zeit war eine Diktatur die nur politische Freiheiten unterdrückte, die auch gegen Ende nahe der Korrektur war. Das Land und die Iraner waren weltweit angesehen, iranische Währung und iranischer Reisepass genossen Hochachtung (Die Währung war 1978 – ein Jahr vor Revolutionssieg – konvertierbar), das Land war nahe dran, den Anschluss an Industrienationen zu schaffen.

Mit den Mullahs haben Iraner alles verloren,

gesellschaftliche Freiheiten, relative Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, relativen Wohlstand, angesehene Stellung in der internationalen Gemeinschaft….! Heute leben sechs Millionen Iraner/Iranerinnen im Ausland, die meisten sind Exil-Iraner (Asylanten, zuvor könnte man iranische Asylsuchenden an der Hand abzählen), hochgebildet und qualifiziert.

Biographien schreiben lassen

Das Bild zeigt, dass die iranische Wirtschaftswachstumsrate 1976 über 60% (64%) der 12 westeuropäischen Staaten zusammen lag, weit höher als die der Türkei und weit über dem Durchschnitt aller Entwicklungsländer.

Das war 1976  etwa 2 Jahre vor dem Sieg der iranischen Revolution.

Die junge iranische Generation versteht immer noch nicht, was ihre Vorfahren geritten hat, Axt an eigene Wurzel zu legen. Der Text (2008) zeigt die Stärken und die Schwächen des Schah-Regimes, geht auch auf post-revolutionäre Ära ein. Salam-e ghashang (schöne Grüße).“

http://faculty.las.illinois.edu/…/Esfahani%20and...

In einem weiteren Kommentar schreibt Behrouz Khorsozadeh

„[…] Dieser Artikel von mir erschien 2008 auf der Feuilleton-Seite der Berliner Zeitung und ist sehr gut angekommen.

Das erhellt zusammengefasst die Umstände der iranischen Revolution. Ich wünsche Ihnen und Frau Wahle ein schönes Wochenende. http://www.berliner-zeitung.de/vor-dreissig-jahren-begann…“

Meine Antworten zur Islamischen Revolution im Iran folgt, da ich immer etwas Zeit zum Nachdenken brauche, heute.

Zuerst einmal herzlichen Dank für Ihre wertvollen Hintergrundinformationen und die Links zu Ihren Zeitungsbeiträgen,  Behrouz. Sie sind auch bei mir gut angekommen und ich danke Ihnen für Ihre guten Wünsche zum Wochenende. Das nächste naht bereits 😉 Für den englischen Artikel brauche ich etwas länger. Der Artikel aus der Berliner Zeitung eröffnet sich mir schneller.

Einige Ihrer Informationen waren mir neu. Beispielsweise die, dass den frommen Greis ein Jahr vor dem Sieg der Islamischen Revolution un nur wenige Menschen kannten. Genau wie Ihr Hinweis darauf,  wie viele Menschen mittlerweile ins Exil gegangen sind. Ich hatte eine Zahl von 2,5 Millionen recherchiert. Sie haben eine eindrückliche Art, jenseits wissenschaftlichen Brauchtums, Zusammenhänge für unbedarfte Dritte zu beschreiben. Das schätze ich an Ihnen.

Sie glauben, dass es schwierig ist auf Facebook so komplexe Situationen wie die Islamische Revolution zu diskutieren. Diesen, Ihren Impuls habe ich deshalb aufgenommen, um daraus einen Blog zu machen. Auch, weil ich  festgestellt habe, dass meine Antworten etwas Raum brauchen.

Ich habe das Gefühl, es ist unmöglich ist der Islamischen Revolution in der Tiefes auf den Grund zu gehen,

um DIE Wahrheit über die Ereignisse von 1978 -1979 heraus zu finden. Doch es ist meiner Ansicht nach möglich sich anzunähern. Beispielsweise durch zufällige Begegnungen wie unsere. Vom Zufall sagte jemand einmal:

„Zufall ist der Moment, wenn Gott nicht selbst unterschreiben will.“

Genauso glaube ich, dass es durch den Austausch von Meinungen und durch Recherchen möglich ist, sich dem was wahrhaftig ist, anzunähern. Doch gleichzeitig mit dieser Annäherung tut sich dann für mich gefundenen Wahrheit die Frage auf:

Was ist DIE Wahrheit?

Biographien schreiben lassenDanach habe ich lebenslang gesucht, bis ich auf eine Geschichte des libanesisch – amerikanischen Philosophen und Poeten Khalil Gibran aufmerksam wurde. Sie ist ein Teil seines weltberühmt gewordenen Werkes:

„Der Prophet“

Menschen aus dem Volk fragen den Propheten:

 „Sag uns, was ist die Wahrheit?“

Und der Prophet beginnt zu erzählen:

„[…] DIE Wahrheit hat viele Gesichter (Anmerkung BiographinIW: meiner Auffassung nach so viele, wie es Menschen auf der Erde gibt). Deshalb sei froh, wenn du deine Wahrheit gefunden hast und hege und pflege sie.“

Das ist die für mich stimmige Antwort. Meine Wahrheit ist nie statisch, sondern sie entwickelt sich mit mir, meiner Persönlichkeit im Austausch mit meinen Kunden, Freunden und den Menschen meines Netzwerkes. So wie jetzt mit Ihnen, Behrouz. Meine aus diesem Austausch mit Ihnen gewonnene Wahrheit erhebt nie den Anspruch, das Ei des Kolumbus, also die absolute Wahrheit zu sein. Viel mehr ist sie ein Weg auf dem ich nach Hegel viele Argumente auf den Prüfstand meiner Auseinandersetzung stelle. Auch gegenteilige.

Mein Leben ist der Weg der Liebe und auf diesem Wege möchte ich Menschen inspirieren,

achtsam und friedvoll miteinander umzugehen. Beispielsweise die Inspiration geben, dass wir als Menschheit an dem Punkt ankommen sind, wo wir uns heute befinden, weil  ein Großteil der Menschheit das Schlechte in uns in ihre Mitmenschen projeziert:

„Ich, wir sind die Guten. Die anderen sind unsere Feinde, weil sie anders denken und handeln als wir. Sie sind die Bösen.“

In unserem kollektiven Unbewussten tragen wir meiner Erkenntnis nach neben unseren eigenen Erinnerungen, Verletzlichkeiten und Glaubensansätzen die Glaubenssätze, Erinnerungen und Feindbilder unserer Ahnen, sowie unseres Kulturkreises herum, die allesamt auf Erlösung hoffen. Denn

„Das was wir Erlösung nennen“, so sagte es der indische Poet Tabir, „gehört in die Zeit vor unseren Tod.“

All was in unseren Zellen und unserem Geist verborgen ruht,  haben wir mit unserem kollektiven menschlichen Geist erschaffen. Gleichzeitig gibt ein Großteil der Menschheit die Verantwortung für das eigene Leben in andere Hände. Ich weiß das so gut, weil ich selbst einmal einer dieser Menschen war. Manchmal auch ziemlich leichtgläublig, wenn ich Menschen vertraute. Ich wunderte mich tagelang, warum diese Menschen etwas anderes taten, als sie versprochen hatten. Das hat mich an so manches Ende einer Täuschung gebracht. Ich staune immer wieder, welche Glaubenssätze ich so in mir trug und teilweise noch trage.

Der Begriff Glaubenssatz meint damit,

dass es Sätze sind, die wie ein Anker das Schiff meines Weltbildes festhalten. Egal ob diese Sätze noch in diese Zeit passen oder überaltet sind. Ich übe mich darin, sie aufzuspüren, zu überprüfen und heraus zu finden, ob sie noch brauchbar sind. Wenn sie überaltet sind, dann ersetze ich sie. Es gibt eine Geschichte dazu, die wirkungsvoll diesen allen Menschen innewohnenden Mechanismus beschreibt:

„In Indien wird Elefanten, die als Nutztiere gehalten werden sollen,  nach ihrer Geburt ein Seil an ein Bein gebunden. Dieses Seil wird irgendwo festgezurrt, damit der Elefant an Ort und Stelle bleiben muss. Das geht drei Jahre lang so. Nach drei Jahren wird das Seil abgenommen. In dem Elefantenkind hat sich so verankert, dass er angebunden ist, dass er nie wieder die Freiheit sucht. In seinem Unbwussten ist das Seil noch immer an seinem Bein.“

So funktionieren Glaubenssätze und an dieser Geschichte lässt sich ermessen, wie stark sie in uns wirken. Während jemand seine Biographie schreiben lässt, kommen wir im Übrigen auch überholten Glaubenssätzen, wie denen mit dem Seil, auf die Spur.

Immer mehr Menschen sind auf dem Weg, sich selbst zu erkennen

Ein Weg, zum dem schon das Orakel von Delphi bei den alten Griechen aufforderte. Es stand am Eingang des Ortes, an dem die weisen Frauen saßen. Sich selbst zu erkennen, heißt von innen nach außen zu gehen. Sich seinem seelischen Schmerz zu stellen, um zu heilen. Auf diesem Wege gehen wir davon aus, dass wir alle Licht und Schatten sind.

Menschen wie ich sind sich gewiss, dass wir auf einer höheren Ebene einander begegnen, um unsere Schattenseiten zu erkennen und alte Verletzungen zu erlösen. Denn Selbsterkenntnis ist nur in der Begegnung des Gegenübers, niemals auf einem hohen Berg tronend möglich. Aus dieser Auseinandersetzung schöpfen wir persönliches Wachstum und heilen.

Unter anderem unser inneres Kind.

Denn es gibt wahrscheinlich auf diesem Erdball nur eine kleine Anzahl von Menschen, die vollkommen unverletzt durch die Zeit ihrer Kindheit gekommen sind. Die meisten tragen, auch wenn die Eltern es noch so gut meinen, die Verletzungen der Ahnen weiter durch die Zeit. Sind im schlimmsten Falle in sich immer noch kleine Kinder, die im Körper eines erwachsenen Menschen stecken. Genau dieser Fakt ist die Angriffsfläche, in die jene Machthaber eingreifen können, auf die wir noch zu sprechen kommen.

Im positiven Sinne fasste dies einmal jemand in dem treffenden Zitat:

„Wir brauchen alle Wurzeln und Flügel und sollten einander dazu verhelfen.“

zusammen. Warum ich das jetzt als Antwort auf Ihren Kommentar schreibe, werden Sie sich vielleicht zu Recht fragen. Ich  bitte um Geduld, es wird sich später auflösen.

Als Biographin reflektiere ich Leben und das, was Menschen als Augenzeugen erlebten

Ich rechercherchiere, um dem Erleben eines Menschen einen äußeren Rahmen zu geben. Der Kunde, der die erwähnte Lebens-Zwischen-Bilanz in Auftrag gegeben hat und damit seine Biographie schreiben lässt,  ist einer von rund 160.000.000 Millionen Menschen weltweit, die den Weg der persönlichen Transformationen gehen …. wie geschätzt wird.

Er suchte während seiner Tätigkeit auf der Großbaustelle Bushehr, wie überall wenn er im Ausland unterwegs war, den Kontakt mit der Bevölkerung. Miteinander auf Augenhöhe zu begegnen und sich gewiss sein, dass wir alle wertvolle Menschen eines Stammes sind, gehört zu seinem Wertesystem. Seine wertschätzende Art seinen Kollegen gegenüber, hat ihn diesen Menschen näher gebracht. Sie fassten Vertrauen zu ihm. Oftmals wurde er von den Männern in deren Häuser eingeladen. Sie haben ihn und die letzten dort verbliebenen deutschen Kollegen, in der letzten Umsturzphase, beschützt. Vielleicht haben sie ihm sogar das Leben gerettet.

Die Deutschen, so er zählte er mir, seien im Iran hoch angesehen. Hitler wird verehrt, weil er die Juden ausrotten wollte. Ein Umstand, der meinen Kunden zutiefst irritiert hat.

Nun jedenfalls diese Begegnungen während seines 182 währenden Aufenthalts im Iran machten ihn zum Augenzeugen

Er nahm die Islamische Revolution anfangs wie ein Hintergrundrauschen wahr. Mit den Monaten wurde aus dem Hintergrundrauschen Krawall  und irgendwann war er imittendrin im Chaos des Umsturzes. Inmitten verrückt gewordener Menschen, die im Namen des Glaubens auch zu den Waffen griffen, um sich ballerten und als Wächter durch die Straßen rannten.

Während meiner Recherchen ist mir beispielsweise eine Facette des Shahs aufgefallen, die mir bisher unbekannt war. Es hatte neben all den furchtbaren Dingen, die er auch mitzuverantworten hatte, lichte Seiten. Beispielsweise den Iran in die Moderne geführt zu haben. So wie Sie es ja in Ihrem Kommentar beschrieben haben, Behrouz.

Aber auch, dass dieser Kaiser dazu beigetragen zu hat, das Menschen lesen und schreiben lernen. Bildung ist aus meiner Sozialisation heraus das Fundament, um die Welt zu verstehen und sich selbst erkennen zu können. Sie schreiben in ihrem Beitrag ja auch, dass der Schah im Westen hoch angesehen war. Die Bundesrepublik hat ihm für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Der Schah sah sich wohl selber wie alle anderen Despoten als guten Menschen,

leugnete meiner Erkenntnis zufolge sogar, etwas von den Gräueltaten seines Geheimdienstes gewusst zu haben. So wie jeder unbewusst lebende Mensch sich als guten Menschen empfindet. Das ist ein Phänomän des Menschseins selbst bei den größten Diktatoren.

Im Iran der Endsiebziger Jahre spitzten sich die Widersprüche im Iran immer weiter zu. Widersprüche sind nach Hegel die Triebkraft der Entwicklung und schreien nach Lösungen. Und hier prallten, wie ich es meinen Recherchen entnommen habe, unterschiedliche Parteien aufeinander.

Parteien, die alle DIE Lösungen versprachen. Was mir bisher neu war, welchen großer Anteil der Bevölkerung gläubig ist und wie dort Glauben gelebt wird.

Danke auch für Ihre Hinweise, was im Namen Allahs alles erlaubt ist.

Die Religion war meinem Gefühl nach der Boden, auf dem die Saat des frommen Greises aufgehen konnte. Auch wenn ihn, wie Sie in Ihrem Beitrag in der Berliner Zeitung von 2008 schreiben, kaum jemand kannte. Aber er trug eine Vision in sich, deren Samen Anfang des 19. Jahrhunderts ein ebenso frommer Geistlicher gelegt hatte. Er wollte einen Staat gründen, indem jedes Gesetz mit dem Koran konform geht. Der erste Greis wurde hingerichtet und seine Vision verschwand in der Erde der Geschichte. Der zweite Greis brachte die Saat dieser Vision zum Erblühen. Und das ist auch das, was mir mein Kunde als Antwort auf Ihre Frage gab:

„Die junge iranische Generation versteht immer noch nicht, was ihre Vorfahren geritten hat, Axt an die eigene Wurzel zu legen.“

Mein Kunde arbeitete daran mit in Buschehr das Atomkraftwerk zu errichten. Viele seiner Kollegen waren gläubige Iraner, die die Hoffnung hegten, dass der fromme Geistliche mit seinen Mannen das Land zu seinen Wurzeln in Glauben und Rechtsstaatlichkeit zurückführen würde. Sie glaubten wohl gleichzeitig, es könne alles an westlichen Errungenschaften so bleiben wie es ist. Frauen gehen arbeiten, studieren etc.
Das Öl sprudelt, die Wirtschaft floriert …

Damit traf der fromme Greis bei Menschen, die einfache Antworten und Verantwortung bei anderen suchen auf offene Ohren. Und damit begann sich ein Muster zu entfalten, dass seit dem 19. Jahrhundert existiert.

Ein Schema, das in dem Begriff POPULISMUS wurzelt

Da kommt einer daher und verspricht des Volkes Stimme zu sein. Etwas ganz anderes als die vorherrschende Elite zu machen und dem Volk zur Macht zu verhelfen.  Sie brauchen nur ihn nur wählen bzw. zu unterstützen, dann würde er für das Volk alles regeln. (Anmerkung BiographinIW Wie der Vater der Verantwortung für die Kinder hat.).

Das versprach Lenin, indem er im Feudalismus lebenden Leibeigenen

Menschen das Paradies des Volkes auf Erden versprach. Diesen Ansatz nahm Stalin auf und mordete im Namen des Kommunismus mehr sowjetische Menschen als im Dritten Reich sumgekommen sind.

Das tat Adolf Hitler, der den Menschen nach der Weltwirtschaftskrise 1929 ein prachtvolles Leben versprach. Sie glaubten ihm und seinen Inszenierungen als Lichtbote. So sah er sich. Diese Menschen wollten dafür für ihn in den totalen Krieg ziehen.

Dem gleichen Versprechen: Volkes Stimme zu sein und es besser zu machen als die herrschende Klasse vor ihnen liefen die überlebenden Männer und Frauen mit der Gründung der DDR hinterher. Es sollte ein Staat der Arbeiter und Bauern werden, indem das Kollektiv die Macht hatte.  Auch daraus wurde eine Diktatur, die wieder ungezählte Opfer forderte. Und zuerst waren wie es wie überall auf Mutter Erde zu allen Zeiten seither die Intellektuellen. Menschen, die Dinge hinterfragen und unangepasst sind.

Im Süden Europas schwingt sich gerade so ein egomanischer Politiker zu neuer Größe auf. Auch er verspricht dem gläubigen Volk, ganz anders zu sein, als die vorherige Elite. Atatürk, der Staatspräsident der Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts dieses Land in die Moderne holte, dreht sich sicherlich kreiselnd im Grabe um.

Nach dem selben Schema entwickelt sich auch das Machtgehabe des Mannes ab, dessen Schlips unter die Gürtellinie reicht und der mit drei Milliarden verschuldet ist.  Und die Menschen glauben ihm, wie allen Populisten vor ihm … er bietet einfache Lösungen. Schuld sind die anderen, dass die Lage im Land so schlecht ist. Von diesen anderen grenzen sie sich ab … und schon wird alles gut …

Nur scheinbar. Das dicke Ende kommt immer, wie die Geschichte in Ihrem und anderen Ländern zeigt.

Auch das gehört zum Muster: nach kurzer Zeit wachen die Menschen auf und sehen was sich für ein Abgrund zwischen dem, was sie sich wünschten und dem, was eingetreten ist, auftut.

Auch mein Kunde erzählte in den Interviews, wie sich das Blatt zum Entsetzen der Iraner wendete. Wie Frauen von Revolutionswächtern gesteinigt wurden, weil sie sich weigerten sich zu verschleiern. Außerdem bekam jeder, der wollte eine Waffe in die Hand bekam und wild um sich ballerte. Ein andermal die Männern und Frauen erkannten, wie sie von einem Extrem ins andere gestoßen worden waren.

Sie, Behrouz, schreiben  weiter:

„Die junge iranische Generation versteht immer noch nicht, was ihre Vorfahren geritten hat, […]“

Das haben sich auch die jungen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt. Selbst bin ich in eine Diktatur hinein geboren, von der ich glaubte, sie wird immer sein. Die Mauer war für mich ein Fakt. Und ich glaubte, eher an einer Mondfahrt teilnehmen zu können, als das ich mal in Hamburg an der Binnenalster arbeiten würde ….

Mein Großvater hat 1917 an dem Matrosenaufstand in Wilhelmshaven teilgenommen. Der erste Aufstand, bei dem sich Arbeiter gegen die herrschende Klasse auflehnte. Er war engagiert in der Weimarer Republik als Abgeordneter. Im Dritten Reich war er im Widerstand, wurde verhaftet und schaufelte einmal sein eigenes Grab. Dann haben ihn die Schergen Hitlers nach Hause geschickt …

Zu seinen Freunden gehörten Menschen, die in Konzentrationslagern gewesen waren. Viele Jahre, bis zu seinem Tod im Jahre 1975, sind diese Männer und Frauen bei uns zu Besuch ein und ausgegangen. Und ich erinnere mich vieler Gespräche, bei denen sie ihr tiefes Bedauern bekundeten über das, wofür sie ins Gefängnis gegangen waren und was daraus geworden war.

All diese Erfahrungen ließen mich wie eingangs erwähnt, danach suchen wo und was die Lösung unserer weltweiten gesellschaftlichen Probleme ist. Was der Schlüssel zum Glück ist und was es ist, was die Weltenseele veredelt und verwandelt.

Alles was ich bis dahin erlebt hatte, waren Lösungen die außerhalb von mir lagen.

Außerhalb vom Menschen an sich, in anderen Gesellschaftsordnungen oder anderen Zeitpunkten. All diese Lösungen waren gescheitert. Ich entsinne mich noch, wie enttäuscht mein Großvater war, was daraus geworden ist, wofür er ins Gefängnis gegangen ist.
Diese inneren Nachfragen brachten mich mit einem Buch zusammen, dass mir die Augen öffnete. Es heißt

Die Welle.“

Dieser Roman erzählt die Geschichte einer amerikanischen Klasse, die sich fragte, ob in den USA eine derartige Situation wie im Dritten Reich wieder entstehen könne.  Der Lehrer sagte ja und die Schüler zweifelten das an. Dann starteten sie ein Experiment, das sich „Die Welle“ nannte.

Und binnen kurzer Zeit vollzog sich das beschriebene Muster.  Einer kommt und verspricht den Himmel auf Erden. Niemand muss sich groß intellektuell anstrengen. Sie müssen nur folgsam sein und sich uniformieren. Alles andere richtet der Führer.

Die, die sich anpassen, machen Karriere. Die Intellektuellen werden als Eliten ausgegrenzt. Denn sie hinterfragen, weigern sich einfach hinzunehmen was ist. Sie werden verfolgt und fliehen. Die Welle wird immer größer. Das ist ja die Aufgabe der Welle. Sie wird ein Meer … erfasst andere Klassen und die ganze Schule. Irgendwann wird das Experiment abgebrochen.

Das Buch wurde verfilmt und zeigt das Dilemma auf, wenn wir Menschen die Verantwortung in andere Hände geben und andere Menschen schuldig sprechen. Denn meiner Auffassung nach, machen wir uns selbst zum Opfer, wenn wir andere Menschen schuldig dafür sprechen, wie es uns und der Welt geht.

Ein weiteres Buch, das gleich einer Offenbarung für mich war, war das Werk von Mahatma Ghandi:

„Eine Autobiographie oder meine Experimente mit der Wahrheit“

Auch wenn ich weniger ein Mensch des passiven Widerstands bin, so waren seine Erfahrungen überaus inspirierend für mich. Denn er war der erste, der mich mit dem Gedanken:

„Die Veränderung zu sein, die ich mir in der Welt wünsche“

konfrontierte. Anfangs dachte ich nur:

„Schöne Idee. Aber was bringt es, wenn ich mich selbst nur verändere und die Welt ist, wie sie ist und bleibt.“

Mittlerweile lebe ich diesen Gedanken seit 18 Jahren und ich staune, wie sich mein Leben für mich befriedet, wie ich heile und was sich in meinem Umfeld durch meine Inspirationen verändert. Das hätte ich niemals erwartet. Damals waren wir wenige. Heute werden wir immer mehr Menschen,  die wissen, welche Macht und Kraft darin liegt, sich selbst zu verändern. Denn durch diese Veränderung berühren wir das Gute in uns allen, die wir Teil des Stammes der Menschen sind. Ich erkenne, dass jede Erfahrung zum genau richtigen Zeitpunkt in unser Leben kommt, damit wir lernen und wachsen und reifen können. Und das wir uns alle nach Liebe und Anerkennung sehnen.

In diesem Sinne wünsche ich für den Iran,

dass sich das Rad der Zeit wendet und das dort wieder eine Zeit wie in Chile, Südafrika und der DDR anbricht. Zeiten in denen die Demokratie Oberhand gewinnt und mit ihr der gesunde Menschenverstand, der den Glauben eines jeden Menschen respektiert. Das sich dort die Demokratie verwurzelt, für mich bisher die einzige Gesellschaftsordnung, die es mir erlaubt, meine Potenziale voll zu entfallten. Das wünsche ich allen Menschen.

 

Weiterführende Links

Lebens-Zwischen-Bilanzen schreiben lassen

Vor dreißig Jahren begann die Herrschaft des iranischen Schahs Reza Pahlawi zu zerfallen
Quelle: Berliner Zeitung
Die größte Party auf Erden
gab der Shah von Persien im Jahr 1971. Sie kostete soviel wie die Schweiz für zwei Jahre als Haushalt zur Verfügung hat. Dieses Ereignis gilt nach Aussagen der Autoren der Beginn der Islamischen Revolution.

Fürbitte für Frieden, Toleranz, Versöhnung und Visionen

 

Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

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