Für Alexander – ein Beitrag zur Blogparade Tod und Trauer im Internet

Am 15. Oktober haben Birgit Aurelia Janetzky und Jörg Eisfeld-Reschke eine Blogparade zum Thema “Tod und Trauer im Internet” gestartet, die einen Tag nach Totensonntag, am 26. November, ihren Abschluss findet.  Bei einer solchen Parade wird ein Aufruf gestartet und an Blogger weitergeben. Jeder der Beteiligten bringt seine Blickwinkel auf das Thema ein und verlinkt es. Das regt zu Diskussionen an, die dadurch das gewählte Thema vertiefen.

In meinem Beitrag möchte ich einen Gedanken des Initiator der Blogparade aufgreifen.
Den, dass Jörg Eisfeld – Reschke erzählte, dass er sich mit Tod und Trauer bewusst auseinander zu setzen begann, als ein Freund von ihm starb und das er in der Folge eines der Internetprofil des verstorbenen Freundes öfter besucht hat,  als dessen Grab. Mir ergeht es mit einem in diesem Jahr verstorbenen Geschäftspartner ähnlich.  Ich war nach seinem plötzlichen Tod zu seiner Beerdigung und in der Kirche, um ihn mit auszusegnen. Das bedeutet, seine Seele aus der Gemeinde zu verabschieden und ihm gute Wünsche auf dem Weg ins Licht mit zu geben:
Die Beisetzung seiner sterblichen Überreste in einer Urnengemeinschaftsanlage wurde im engsten Kreis gefeiert.
Sein  Xing- Profil  ist mir Ort der Begegnung geworden.  Das muss der Gestalter visueller Erscheinungsbilder und Kommunikationsdesigner noch kurz vor seinem Tod geändert haben.  Es schwingt ein anderer Tenor zwischen den Zeilen, als der den ich lange wahrgenommen habe. Dann lese ich diese Zeilen, muss lächeln über seine Aussagen zu seinen Interessen:

„Singen (im Chor und auch auf Toilette), Philosophie ohne zuviel Gerede, Menschen, Menschen in der Stadt und auf dem Wege, jeden Morgen guten ‚Guten Morgen sagen‘; die Anfänge einer Sache, z.B. beim Film Eisenstein“

Lese weiter, was er über sich so sagt: „Ich höre gern Menschen zu, wenn sie über ihre Ideen sprechen und liebe es FRAGEN ZU STELLEN – ganz banale Fragen, die man manchmal gar nicht mehr fragt, weil sie so selbstverständlich scheinen. Und ich liebe das deshalb, weil mir diese Fragen eben in den Sinn kommen statt anderer und es mich freut zu wissen: Ja ich darf sie aussprechen, egal was man davon hält.“

und denke: „Ja, das ist er – und dann fällt es mir ein – ja, so war er,  der Alexander Kretschmer“

Eine ganze Weile betrachte ich sein Bild und ich habe das Gefühl, wir sprechen miteinander, jenseits aller Worte. Dieses Profil hatte ich ausgedruckt und nach der Weihefeier an die Trauergemeinde verteilt.
Meinen Beitrag zu  Blogparade widme ich in diesem Sinne dem Mann, der mir mehr als ein Geschäftspartner war. Er war für mich ein begnadeter Künstler und Mensch mit dem ich über Jahre zusammen menschlich reifen konnte. Ein tief denkender Philosoph, der die Dinge hinterfragte und nur einen Tag nach mir Geburtstag hatte.  Alexander war ein geradliniger und ehrlicher junger Mann, aber auch ein liebenswerter Kauz. Ein Mensch, der mich lehrte mir selbst Wert zu geben und den Wert der Arbeit des anderen so zu schätzen, wie meinen eigenen schätzen lernte.  Alexander hat mir ziemlich am Anfang unserer Geschäftsbeziehung, als ich einmal leise stöhnte,  was eine Freiberufliche so alles tun müsse, die eigentlich doch nur schreiben wolle, gesagt:

„Frau Wahle, Sie wollen mehr als schreiben. Sie wollen unabhängig sein.“

Da hatte er Recht. Die Freiheit ist ein hohes Gut für mich. Unabhängig agieren können bringt eine in den Fluss des Lebens. Obwohl ich mir seinen Rat sofort zu Herzen genommen habe,  dauerte es noch Jahre, bis er zu „Fleisch wurde“.

ak_blogAlexander hatte eine zurückhaltende,
doch gleichzeitig fordernde Art und einen wachen Geist. Ein junger Mann , der seinen Spieltrieb nie abgelegt hat, sich immer wieder ausprobierte, getrieben war und doch den Wundern dieser Welt mit Staunen begegnen konnte.  Der so wie ich seinen Weg finden wollte und der mir immer das Gefühl gab, unsere Begegnung wird nur in einem begrenzten Zeitraum Bestand haben. Und das, obwohl ich immer auf ihn zählen konnte. Das habe ich angenommen und mich über jedes Projekt gefreut, dass wir zusammen in Angriff genommen haben.
Für ihn stand der Dienst an seinen Mitmenschen im Vordergrund. Sensibel hinterfragte er die Wünsche seiner Kunden.
Im  Laufe unserer mehr als sechsjährigen Zusammenarbeit entwickelte er zusammen mit mir mein visuelles Erscheinungsbild. Auch durch unsere Kooperation gelang es mir,  das was die Biographin Irene Wahle tut oder lässt klar und einprägsam nach außen zu kommunizieren.
Durch die Intensität unserer Hand in Hand Arbeit, die gegenseitige Wertschätzung und das intuitive Wissen um die Stärken des Anderen entstanden prägnante Werbematerialien und einzigartige Buchprojekte. Dem Grafikdesigner gelang es in wunderbarer Weise meinem geschriebenen Wort ein unverwechselbares „Kleid“ maß zu schneidern, das die Einzigartigkeit der Biographierten oder Unternehmens reflektiert.
Unserem intensiven Ringen um die besten Lösungen ist meine Website und dieses Blog zu verdanken, die meine Geschäftsidee und meine Persönlichkeit so reflektieren, dass ich noch sechs Jahre nach der ersten Fertigstellung jubiliere…

Nichts für den Verstand und dennoch
Lieber Alexander, danke, dass Sie mich einmal darum gebeten haben, etwas außerhalb unserer Geschäftsbeziehung für Sie zu tun. Sie baten mich, zur Ihrem Projekt zur 10. Rostocker Kunstnacht in den großen gekachelten Flur Ihres Hauses zu kommen: „Vor den Mauern gleich gegenüber dem Spielplatz“ Und dann beschrieben Sie die Veranstaltung in einer Presseerklärung und machten das so für sich, dass mir beim Lesen erst mal die Haare zu Berge standen. Frei nach dem Motto: „Ja, ich darf fragen. Egal was man – in diesem Falle ich – davon hält.“
Aber weil Sie Alexander Kretschmer waren habe ich mich darauf eingelassen. Auf eine Veranstaltung die »Nichts für den Verstand und dennoch.« sein sollte, wie sie sie beschrieben haben und wo es Häppchenweise Film, Häppchenweise Gedanken, Häppchenweise Klang im Live Austausch zu Kunst und Nacht und anderen Häppchen gab und das mit der Irene Wahle, Jakob Kühn, Alexander Kretschmer u.a.
Diese Veranstaltung wird mir in ihren eigenwilligen Skurrilität, untermalt mit feiner Musik und Bildern in den Sequenzen aus ganz anderen Blickwinkeln immer in Erinnerung bleiben.
Der Raum glich einer Installation, verhängt mit Plastikbahnen. Im Eingang ein Schüsselchen mit ihren kleinen leckeren Brothäppchen, dies immer gab, wenn Sie in einer Veranstaltung Ihre Finger drin hatten. Dann gab es da Lichtquellen und einen Bildschirm für die Häppchen Bilder. Und dann wurde ich auf einen Stuhl drapiert, wie auch die anderen Geladenen. Die Zuschauer suchten sich ihre Plätze aus. Und sie saßen hinter ihrem Glasschreibtisch, der es von der dritten Etage in den Flur geschafft hatte und dann ging es auch schon los.
Das Licht ging an und aus. Und ich hatte immer noch Null Ahnung außer dem Titel, worum es eigentlich ging und was ich da tun sollte.  Wir kamen ins Gespräch, gingen der Frage auf den Grund, was denn nun Kunst ist. Dann wurde der Focus durch Beleuchtung einem anderen Thema gewidmet. Der Musik. Eine Klarinette spielte klassische Musik und das hinter einem Vorhang. Und als der Künstler geendet hatte, schoben unter dem Vorhang ein Stück Brot hindurch. Vielleicht ein Zeichen für – Kunst  bringt doch Brot – . Rausbekommen habe ich das nie. Als ich Sie später fragte, ob wir uns darüber austauschen wollen, sagten Sie einfach: „Nein.“ und dann war das Thema gegessen. An jenem Abend jedenfalls fingen dann auch Sie an zu singen. Mal richtig und mal richtig falsch, dass ich das nur begrenzt ausgehalten habe und mir erlaubte in die Performance einzugreifen. Musik und Filmsequenzen wechselten weiter mit Gesprächen. Die Musik erklang dann aus anderen Etagen. Auch wieder Solisten. Bläser. Irgendwie recht surreal diese Veranstaltung für ein wissendes Publikum. Manche verstanden wohl weniger und sind dann schnell  gegangen. Auch wenn es eigenwillig war, gefiel es mir. Passte zu Ihnen und so soll  sie ja sein, die Kunst. Aufregen und anregen. Lebensmittel sein und sich bewegen, jenseits dessen was wir gewohnt sind.

Sechsunddreißig Jahre war er jung, als er  an den Folgen seiner Essstörung verstarb.
Eine Essstörung, die er seit drei Jahren angenommen hatte und die mir, da wir zumeist über Telefon und Internet verbunden waren,  in ihrem Ausmaß verborgen blieb. Ich dachte immer, ich hätte gute Menschenkenntnis. Im Falle dieses Mannes hat sie versagt. Wenn er mich, wie in seltenen Fällen in den ganzen Jahren, einmal privat besuchen kam, dann kochte ich. Er aß mit Muße und griff gerne zu, ohne in das eine Extrem von zuviel oder zuwenig zu fallen. Das machte es mir schwer zu begreifen, was ich sah. Einen Mann, der an Ostern letztes Jahr immer dünner geworden war und immer fror. Auch im Sommer eine Mütze trug. Lange Zeit trug er seine langen blonden Haare zu einem Zopf gebunden und wenn ich ihn sah, musste ich immer an Jesus denken. Fragte mich unbewusst, ob er dem Leidensweg dieses Mannes nachstrebte.
Was mir immer unbegreiflich bleiben wird:  über seine Arbeit war er  eins mit der Welt und mit ihr im Austausch und  in Verbindung. Von sich selbst kapselte er sich immer stärker von ihr ab. Gab mir das Gefühl, er könne alles allein und er wolle alle Fäden allein in der Hand behalten.
Dann waren irgendwann leise Veränderungen zu spüren. Er schnitt wortwörtlich einen alten Zopf ab. Seine mittlerweile fast androgyn wirkende Gestalt wurde wieder männlich.  Er legte sich zeitweise einen Bart zu und öffnete sich der Welt. Das waren einfache Dinge, wie etwa neuerdings zu hinterlegen, wie er erreichbar ist. Und das er sich Unterstützung holte, um seinen Herausforderungen zu Leibe zu rücken, wie ich nach seinem Tod erfuhr.

Bis zwei Tage vor seinem Tod haben wir an einem Projekt gearbeitet. 
und das in der Annahme, möglicherweise mit jemand anderem das Buchmuster zu beenden, weil Alexander gesagt hatte, er gehe vielleicht ins Krankenhaus. „Da wird sich ein Weg finden,“ meinte ich noch. Hätte ich gewusst, wie bedrohlich es um ihn stand, hätte ich gesagt: „Gehen Sie bloss ins Krankenhaus. Ich finde eine andere Lösung.“
Aber ich habe es unterlassen weiter nachzufragen, weil ich es irgendwann aufgegeben hatte, ihn nach seinen privaten Dingen zu fragen. Außerdem klang  seine Stimme ganz unaufgeregt, so als wolle er routinemäßig einen Schnupfen untersuchen lassen.
In unseren Telefonaten war er so präsent im Augenblick wie eh und je. Seine Stimme so kraftvoll wie ich sie seit Anbeginn kannte. Feinfühlig spürte er heraus, was meine Wünsche für die Gestaltung des Buchmusters sind. Schickte mir die erste Fassung zu …
Und dann war er unerreichbar. Das war ganz untypisch.  Irgendwann schickte mich meine innere Stimme auf den Neuen Markt hier in Rostock. Dort hat er immer seine Bioprodukte eingekauft. Der Verkäufer sagte: „Ja, weißt du es nicht, Alexander ist tot.“ Nach einer Weile sagte er, genauso schockiert wie ich. „Stell dir vor, bei seinem Tod hat er noch 33 kg gewogen und das bei einer Körpergröße von fast 1,75m“ Wir schwiegen uns an …
Während ich über diesen Augenblick nachdenke, weiß ich, dass ich die Nachricht vom Tod eines Menschen nie über einen Webdienst bekommen möchte. Das ist mir zu kalt. Zu leblos.  Auch wenn möglicherweise persönliche Infos vom Verstorbenen inklusive sind. Wenn mir jemand etwas über den Tod hinaus zu sagen hat, dann wünsche ich mir einen persönlichen Brief für letzte Worte des Abschieds oder der Klärung dessen, was ungesagt blieb.

Was einer ist und einer war, wird oft im Scheiden gewahr
Etwa eine Woche später fand die Trauerfeier für Alexander statt. Der Saal war voller Menschen, die sich betroffen in die Arme fielen. Allen voran die Eltern und eine der Pastorinnen der Kirche für die Alexander sich für die PR eingebracht hatte.  Blumen über Blumen umkränzten den mit vielen Lichtern umhüllten Sarg, vor dem ein Bild von Alexander stand.
Er Ende zwanzig, mit einem gewinnenden Lächeln und von normaler Leibesfülle mit grünbraunen Augen. Dieser Alexander war mir fremd. So hatte ich ihn nie erlebt…
Klassische Musikstücke eröffneten die Abschiedsfeier, an die sich ehrendes Gedenken in einfühlsamen und wertschätzenden Worten der Pastorin anschlossen. Und wieder durch Musikstücke weiter geführt worden. Zum Abschluss waren die Eltern sehr gerührt, ob dieser unglaublich großen Anteilnahme für ihren Sohn.
Im Anschluss daran kamen viele von uns ins Gespräch, tauschten sich aus mit dem was jeder wußte. Ein zusammen setzen eines Bildes aus vielen Puzzelsteinen: Inmitten dieses Bildes stand die Frage: Wie konnte es nur soweit kommen?
Antworten wird wohl niemand finden. Zeichen gab es und Alexander hat wohl bis zum Schluss mit sich gerungen sich behandeln zu lassen. Auf seinem Schreibtisch fanden die Eltern die unausgefüllte Krankenhauseinweisung …

 

Alexander Kretschmer fehlt mir als Mensch und als Kooperationspartner.
Als Künstler, mit dem ich mich auf einer Wellenlänge für das optimalste Ergebnis einer Sache reiben konnte. Mein Verstand weiß, dass Alexander Kretschmer gegangen ist. Doch mein Herz sträubt sich noch.
Ich freue mich, wenn dieser Beitrag hier im Netz zu einem Puzzelstein des Gedenkens für die Menschen wird, die ihn achteten und schätzten. Und die letztlich genau wie ich respektieren, das er seinen Weg so gegangen ist, wie es in ihm war. Wie ich glaubte er an die Wiedergeburt unserer Seele. Daran, dass wir auf die Erde kommen, um in der uns gegebenen Zeit unsere Lebensaufgaben erfüllen. In mir ist trotz des Wissens um diesen Verlust das Gefühl, dass alles, was wir beide füreinander tun sollten, getan ist. Das wir uns wiedersehen werden, wenn es sein soll, im ewigen Kreislauf der Zeit.

Lieber  Alexander,
vergeben Sie mir das ich Sie hier stellenweise mit du ansprach. Ihnen war immer das respektvolle Sie wichtig um in der Nähe unserer Seelen Distanz zu wahren. Das habe ich respektiert.
Ich danke Ihnen für alles, was Sie für mich getan haben. Ich  ich bin traurig, dass es nie dazu kam, gemeinsam mit Ihnen Ihrem Lebenstraum auf die Spur zu kommen, so wie ich es Ihnen angeboten hatte.  Es ist für mich ein Geschenk,  dass wir für eine kleine Weile zusammen ein Stück des Weges gegangen sind.

Möge Ihre Seele Frieden finden …

P.S. Ich wollte komplett leer sein. Ich wollte die Kontrolle haben…

 

P.P.S. 07.12.2013 Nachlese

ak_Selbstporträt_2003 002Ein und ein halbes Jahr ist es nun schon wieder her, dass Sie von uns gegangen sind. Eigentümlich, wie sich nach und nach das Puzzel ihres Lebens für uns zusammen fügt. Wieviel mehr wir über Sie, der uns weiter durch unser Leben begleitet, erfahren als es in den vielen Jahren davor möglich gewesen ist. Das Foto eines Selbstporträts brachte Ihre Mutter gerade, damit ich es in den Blogbeitrag einbauen kann. Ein so ganz fremder Mensch strahlt mich aus dieser Abbildung von 2003 an.

Ein Mann von normaler Statur und wie ich hörte, waren Sie damals Havy Metall Fan. Für mich eine Vorstellung, die ich schwer einordnen kann. Kamen Sie mir doch immer vor, als seien Sie einer der Jünger Christi und gehen dessen Leidensweg nach. Und so war es wohl auch. Von der Einstellung asketisch zu leben, sich selbst zu finden, die eigene Krankheit zu erkennen und anzunehmen … zwischen ihrem letzten Bild, was in diesem Blogbeitrag am Anfang steht und diesem Selbstporträt liegen acht Jahre. Mögen Sie sich trotz allem näher gekommen sein …

 

 

Weiterführende Links
Spuren im Internet sind unsterblich
Adoniskomplex – Essstörungen bei Männern
The Work und Erfolge bei Essstörungen

Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

11 Antworten auf Für Alexander – ein Beitrag zur Blogparade Tod und Trauer im Internet

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  • Cathleen Heilmann sagt:

    Liebe Frau Wahle,
    erst heute, fast ein Jahr später habe ich durch Recherche vom Tod Alexanders erfahren. Wir waren keine Freunde, eher lose Bekannte, dennoch trifft mich sein Tod. Auch hier bei rok-tv hatte er erzählt, er würde ins Krankenhaus gehen. Nun wollten wir seinen Film „Häppchenweise aneinander vorbei“ in der kommenden Woche nochmals ausstrahlen, in der sich alles um das Thema Essstöhrung dreht. Und um ihn. Deshalb die Recherche, denn dass er sehr krank war, stand für mich schon länger außer Frage. Ich fand nur noch die Traueranzeige und ihren Blogbeitrag. Hoffentlich kann der Film noch andere bewegen, rechtzeitig Hilfe zu finden.
    Vielen Dank für die einfühlsamen Worte von Ihnen, das war besser als eine knappe Sterbeanzeige.
    Beste Grüße

  • CathleenHeilmann sagt:

    PS.: Der Film von Alexander Kretschmer „Häppchenweise aneinander vorbei“ läuft am Montag, dem 25.02.2013 nochmals bei rok-tv um 10:40 Uhr und wird an diesem Tag alle drei Stunden wiederholt. Außerdem wird er am Mittwoch und am Freitag darauf um 10:40; 13:40 und 16:40 Uhr gezeigt.

    • BiographinIW sagt:

      Liebe Frau Heilmann,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr Feedback für meinen Blogbeitrag. Aber auch für unser Telefonat und den Hinweis auf den Kurzfilm von und mit Alexander.

      Ihre Betroffenheit kann ich gut verstehen. Sie glaubten ihn zuerst in einem Krankenhaus und dann auf dem Wege der Besserung … und dann diese Nachricht.

      Rainer Maria Rilke sagte dazu einmal: „Der Tod ist groß, wir sind die seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen, mitten in uns.

      Es ist schon eine eigentümliche Fügung, dass genau ein Jahr, nachdem Alexander auf dem Wege war, sich für einen Krankenhausaufenthalt zu entscheiden, rok -tv diesen Film noch einmal zeigt.

      Eine Zeit, in der das Geschehen wieder einmal präsent wird. Eine ins Nachdenken gerät über die gemeinsam verbrachte Zeit und Alexanders Abschied…

      So schaue ich mir denn seinen Kurzfilm Häppchenweise aneinander vorbei an, den er unterschreibt:

      „Nur nicht zu viel – aber das Wenige unbedingt.“

      und bin tief betroffen von diesen fünf Minuten und drei Sekunden Film. In seiner ganz typischen Art und Weise Filme zu machen ist es ihm gelungen, seinen Kampf mit sich und seinem Essen, mit seinem Leben zu zeigen …

      Mit guten Grüßen
      Biographin Irene Wahle

  • BiographinIW sagt:

    11.04.2013 Ein Jahr ist nun vergangen, seit wir gemeinsam das letzte Projekt zusammen auf den Weg gebracht haben, Herr Kretschmer. Das mir der Abschied von Ihnen so nah gehen würde, hätte ich nie gedacht. Aber es ist gut so. Denn schließlich war unsere Begegnung etwas Besonders. Ein Geschenk meines Lebens. Danke nochmals für alles, was ich von Ihnen lernen durfte und was Sie für mich getan haben …

  • Rostock, 06.06.2013

    Lieber Alexander Kretschmer,

    nach mehr als einem Jahr erfahre ich von Ihrem Tod. Ich kann gar nicht beschreiben, was diese Nachricht in mir ausgelöst hat. Gerade wollt ich Ihnen einen Flyer von jemandem aus der Uni senden, der Menschen sucht, die Teilnehmer an einer Studie sein wollen und u.A. Vipassana-Meditationserfahrungen haben. Ich musste sofort an Sie denken, da Sie diese Meditationsart seit Jahren praktizierten.

    Beim Suchen Ihrer Handy-Nummer, die Sie damals herumschickten (Ich war im Verteiler), offenbarte sich mir über Google der Verkauf Ihrer Domain, was mir schon sehr suspekt erschien, und dann vor allem die Danksagung Ihrer Eltern zur unerwartet großen Anteilnahme und liebevollen Zuwendung bei der Abschiedsnahme. In meinem Herzen machte sich eine große Leere breit. Ich konnte nicht begreifen, was ich da las und warum ich es las.

    Die wenigen Male, die wir uns sahen, ist mir schon aufgefallen, dass Ihre Gestalt schmaler wurde. Da Ihr Verstand jedoch stets messerscharf war und Sie vor Kreativität zu strotzen schienen, machte ich mir keine großen Sorgen.

    Vor sechs Jahren haben Sie mir meine Homepage designed. Und ich war gleich beim ersten Vorschlag vollauf begeistert. Sie ist bis jetzt unverändert, was das Design anbelangt. Ich dachte mir nichts dabei, dass Sie den Pflaumenkuchen und die Eierbaguettes, die ich zu unseren Treffen „Oberhalb des Gerberbruchs 8“ mitbrachte, verschmähten.

    Wir hatten schöne Gespräche und ich überließ Ihnen meinen Raum für Vipassana-Meditationsveranstaltungen, zu denen Menschen weit über die Grenzen von Rostock hinaus kamen.

    Den Film „Häppchenweise aneinander vorbei“, den ich bei ‚Youtube‘ ansah, habe ich ganz offensichtlich zu spät gesehen. Ich erfuhr leider durch Ihren Todesfall von dem Film. Erst durch diese Nachrichten und den Film baut sich bei mir das Bild zusammen, wie es tatsächlich um Ihre Gesundheit stand.

    Es ist schon auch eigenartig, dass man zu bestimmten Menschen einen außergewöhnlich guten Draht hat, obwohl man sie nicht besonders gut kennt. Ich habe ein paar mal gedacht: vielleicht erfahre ich mehr über den Menschen Alexander Kretschmer, wenn ich ihm das „Du“ anbiete, aber es wollte mir nicht über die Lippen kommen. Ich hatte stets das Gefühl, dass Sie mit diesem Abstand um sich herum leben wollen, dass Sie diese Distanz zum Markenzeichen gewählt haben.

    Der letzte Schritt, den Sie wählten – nämlich nicht ins Krankenhaus zu gehen – scheint mir in Ihrem Fall folgerichtig zu sein. Auch wenn Sie ahnten, was er möglicherweise bedeuten könnte. Keine Hilfe von außen, die innere Stärke ausleben, und wenn die nicht reicht, die Konsequenzen auf sich nehmen – in all ihrer Tragweite.

    Das zu respektieren als Geschäftspartner, als Mensch, fällt nicht leicht. Es herrscht eine tiefe Betroffenheit in mir. Ich mochte Sie sehr.

    Möge ganz viel Licht für Sie erstrahlen, Herr Kretschmer! Das nächste Leben hält diese Baustelle für Sie bereit. Ich wünsche mir sehr, dass Sie es dann schaffen!

    In Hochachtung und mit lieben Grüßen, Annegret Jusepeitis

    • BiographinIW sagt:

      Verehrte Frau Jusepeitis,

      ich habe nun schon ein paar Mal Ihre Zeilen gelesen und mir fehlten bisher die Worte, um Ihnen zu antworten.
      Zuerst einmal möchte Ihnen danken, dass Sie diese Gedenkseite auf so persönliche Weise nutzen, um Alexander Kretschmer etwas nachzurufen.

      Wirklich berührend wie vielen Menschen dieser junge, kreative und hoch intellektuelle Mann etwas bedeutete. Und welche „Spuren von Liebe von ihm bleiben.“ Denn das, so sagte es Albert Schweitzer, „ist das einzige was bleibt wenn wir gegangen sind.“
      Aber auch die Gewissheit, mit einem einzigartigen Menschen ein Stück Leben gelebt zu haben.

      Erkenntnisse reifen, wie die, dass es Alexander Kretschmer gelungen ist, vielen von uns so nah und gleichzeitig so fern zu sein. Das ist für mich das eigentlich betrübliche. Aber ich schließe mich Ihnen an. Es war sein Weg. Und es ist an jedem von uns, den anzunehmen. Auch wenn es schmerzt und wir uns sicher etwas anderes für ihn gewünscht hätten.

      Ihre mitfühlenden und reflektierenden Gedanken sich sicher in dem, was ewiglich in ihm ist, angekommen.
      Alexander war dabei sich zu verändern, seinem Lebensaufgaben auf den Grund zu gehen und sie zu lösen. Zaghaft ist ihm das gelungen. Ich wünsche ihm, dass diese Sequenzen in ihm programmiert sind, auf das er weiter an ihnen arbeiten kann …

      Alles Gute für Sie, Frau Jusepeitis.

      Biographin Irene Wahle

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