10 Jahre Biographin Irene Wahle (1)

„Das Leben ist wirklich großzügig zu denen, die ihren Träumen folgen“

diesen Gedanken aus Paolo Coehlos Weltbestseller: „Der Alchimist“ sei mir Inspiration um Ihnen die Geschichte meiner inneren Entfaltung zu erzählen. Eine Erzählung, in der ich über mittlerweile über 18 Jahre stetig alte Strukturen in mir sterben lasse, um neuen Erfahrungen Raum zu geben. Ein Zeit, in der sich meine Vision von diesem Leben verdichtet. Intensive Jahre, in denen ich immer wieder Wunder erlebe, von denen ich nie zu träumen wagte. Heute habe ich meinen Platz im Leben und in mir gefunden. Dafür bin ich zutiefst mir und allen Menschen die mich unterstützen, das zu werden was ich bin, dankbar.
Genauso wie dafür, dass ich mein 10jähriges Betriebsjubiläum feiern darf. Hätte ich gewußt, was für ein steiniger Weg vor mir liegt, dann hätte ich möglicherweise geschwankt. Aber sicher nur einen Augenblick. Denn, auch wenn mich streckenweise nur mein Glauben getragen hat, dann wußte ich doch instinktiv:

„Ich will meine Gaben in dieser Aufgabe zur Entfaltung bringen.“

Meine Selbständigkeit in ihrem Facettenreichtum

erfüllt mich und beschenkt mit vielen unbezahlbaren Präsenten: Selbstvertrauen, Kreativität, Lebensfreude, Selbstverständnis und  Unabhängigkeit. Ich habe meinen Glauben wieder gefunden, den ich eigentlich nie gesucht habe. Denn ich komme aus einem atheistischen Elternhaus. Ich folge den ganzen Tag dem Plan meines Lebens, entschlüssele und entfalte ihn. Diese Auseinandersetzung lässt meine Persönlichkeit reifen. Ich begegne einzigartigen Menschen und komme an Orte, die jenseits meiner Vorstellungskraft lagen. Ich darf jeden Tag neue Herausforderungen lösen, die mich stärken und groß werden lassen. Meine Kunden unterstütze ich darin, ihre Probleme zu lösen, indem ich ihnen Erkenntnisse weiter gebe und durch sie dem auf die Spur komme, was ich in diesem Leben erkennen möchte. Ich schreibe Biographien und Firmenchroniken, die in ihrer Zeit wie Jahrgangsweine reifen. Ich bin mir dankbar, dass ich den Wagemut entwickelt habe, diese Gradwanderung in Zusammenarbeit mit meinen Kunden zu meistern. Meine Kunden sind mittelständische Unternehmer, die es gewohnt sind, ihr Leben nach stringenten Terminplänen zu organisieren. Und dann komme ich, spreche von den der Natur innewohnenden Reifungsprozessen und lebe sie.
In den zehn Jahren, in denen ich biographische Dienstleistungen anbiete,  bin ich mittlerweile fast zweihundert Menschen begegnet, für die ich Abschied gestalten und Biographien schreiben durfte. Jeder einzelne meiner Kunden zeigt mir, welch großartiges, schöpferisches Universum in jedem von uns verborgen ruht. In der Summe all der Reflexionen erkenne ich, dass das, was wir als zufällig auftretende Erscheinungen und günstige Fügungen betrachten, auf einer höheren Ebene zutiefst sinnvoll ist. In diesem Jubeljahr frage ich mich:

„Wie fing alles an?“

1997, am Ende eines Weges angekommen, beschloss ich, fortan meines Glückes Schmied zu sein und ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Ich wollte nie wieder ein Opfer sein und ich wollte aufhören zu leiden. Damals war ich wieder gescheites Scheitern hinter mich gebracht. Ich hatte die Nase voll davon, immer wieder von vorne anzufangen zu müssen, trotz all dem, was ich an Wissen in mir trug. In meinem Reisegepäck versammelten sich mittlerweile ein Facharbeiterinnenbrief als „FA für Ladungskontrolle und Lagerwirtschaft – Spezilialisierung Ladungskontrolle“,  ein Kaufmannsbrief als „Verkehrskaufmann“ und einen Kauffrauenbrief als „Versicherungskauffrau.“ Dazu gesellten sich Studienabschlüsse als Ingenieur-Ökonom im Seeverkehr und der Hafenwirtschaft und der als „Staatlich geprüfte Betriebswirtin.“. Beruflich hatte ich in über 11 Jahren im größten Hafen der DDR als Ladungskontrolleurin, Sachbearbeiterin für Bruttolohnrechnung und Bearbeiterin für Arbeitsnormung mein Bestes gegeben.  Hatte dann im Versicherungswesen und in einem Frauenprojekt gearbeitet, mich reingekniet bis an die Grenzen meiner Erschöpfung und darüber hinaus. Und dann kam Weihnachten 1997 das nächste aus. „Die beste Zeit“ zum Scheitern oder ein Zeichen? Nun jedenfalls stand ich vor meinem Spiegel in dem ich mich wohl über Jahre nie wirklich betrachtet hatte und dachte:

„Wer ist diese Frau?“

Wie 16.999.999 andere Menschen meines Landes war ich im Zuge unserer mutigen friedlichen Revolution gewendet worden. Seit sechs Jahren lernte ich mehr schlecht recht die Regeln des neuen Deutschlands. Ich hatte mich dabei zwischen Existenzangst, der Suche nach meinem finanziellen Auskommen und privater Herausforderungen verloren. Während ich meinen Körper nach vielen Jahren wirklich ansah und entsetzt registrierte, dass meine Augen stumpf waren und meine Figur ziemlich aus den Nähten geplatzt war, faste ich einen Entschluss.

„Ich will ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Und ich will meinen Platz im Leben finden.“ 

10 Jahre Biographin Irene Wahle

Meine Eltern, Horst und Helene, an ihrem Hochzeitstag

Wie und was das sein sollte, dafür fehlte mir damals die Kennung. Ich glaubte, nun, da ich diese Entscheidung getroffen hatte, wird alles gut.
Es änderte sich alles, aber anders als gedacht. Meine Eltern erkrankten gleichzeitig schwer. Meine Mutter starb am 17. Juni, jenem Tag an dem 1954 die Bürger der DDR aufbegehrt hatten, das passte zu meiner einst starken und mutigen Mutti. Sie hatte unter starken Schmerzen gelitten und wollte sterben. Und nachdem sie das mehrmals geäußert hatte, verstarb sie sechs Wochen später durch eine im Krankenhaus übersehene Blutvergiftung. Das gab meinem Vater die Kraft, das in die Tat umzusetzen, worüber er seit dem Tag redete, seit er seine Diagnose Krebs bekommen hatte. Er wählte den Freitod und wir haben diese Entscheidung mitgetragen.
Damit endete nach 49 Jahren eine Verbindung, die so zart und hoffnungsvoll sechs Jahre nach Kriegsende begonnen hatte. Sie glaubten nun endlich alles Grauen hinter sich gelassen zu haben und trugen ihn doch weiter als seelische Wunden durch die Zeit. Und so bin auch ich eine Tochter des Krieges und wie kaum etwas anderes prägte sich mir die Geschichte der Jugend meiner Eltern ein. Ein 19jähriger Jüngling, der optimistisch als Soldat eingezogen wurde und zweimal schwerst körperliche verwundet wurde. Ein Streifschuss am Kopf, Granatsplitter im Rücken und ein Knöcheldurchschuss. Nach fünfzig Jahren öffnete sich diese Wunde wieder und war für drei Jahre entzündet, bis eine Behandlung diese Wunde heilen ließ. Und meine schöne Mama mit dem zauberhaftesten Lächeln das ich kenne, als Nachrichtenhelferin nach Rumänien ging. Sie zählte immer wieder, dass diese Jahre zu den schönsten Jahren ihres Lebens zählten. Bis die Russen einmarschierten. Dann wurde sie ins Doneszbecken interniert und arbeitete bis zum Kriegsende in einem Stahlwerk. An Typhus erkrankt, auf 40 kg abgemagert, verfrachte sie das russische Militär in einen Viehwagen und glaubte, das sie niemals lebendig ankommen würde. Diese innere Kraft, diese willensbegabte Beharrlichkeit haben mir meine Eltern neben all dem Schmerz mit gegeben. Heute weiß ich, dass meine Eltern ihr Bestes gegeben haben und ich ehre sie als die Menschen, die mir das Leben geschenkt haben. Bis ich das erkennen konnte, sollten mehr als zehn weitere Jahre vergehen.
Damals stellte sich für mich die Welt einfach nur auf den Kopf und brach vollends zusammen. Ich wollte nachsterben und die Monate des Jahres 1999 fühlten sich für mich an wie der Tod. Irgendwann entschied ich mich fürs Leben und in mir hallte immer wieder eine Frage:

Warum ist das alles passiert?“

Dann wie von Zauberhand gefügt,

10 Jahre Biographin Irene Wahle

vl. Hr. Dobois, I.Wahle und die Inhaber S.Ulrich und M. Pohl, Foto Frau Pohl

die erste wirklich glückliche Wendung. Ich suchte mir Unterstützung und traf auf einmal ganz andere Menschen.  Menschen, die meine Potenziale erkannten und mich förderten. Die mich anstatt wie bisher gewohnt, kleiner machen wollten. Für mehr als zwei Jahre arbeitete ich als Leiterin in einer Galerie für moderne Kunst und initiierte die Rostocker Kunstnächte mit. Dann wieder das Aus, das gekrönt wurde von einem Sturz von einem Pferd und einem Lendenwirbelbruch. Buchstäblich war ich unter der Last meines Lebens zusammen gebrochen. Aber ich bin eben ein Stehauf Frauchen und berappelte mich. Einmal auf dem neuen Weg, folgte ich diesem und meiner Intuition. Eine der ersten schickte mich ins hiesige Hospiz. Ich wollte heraus finden, ob es humanere Wege des Sterbens gibt, als den, den mein Vater gegangen war und ich wollte Menschen als ehrenamtliche Hospizhelferin in ihren letzten Stunden begleiten. Bald fand ich heraus, dass es sehr wohl solche Wege gibt. Das man niemandem seinen Schmerz nehmen kann, aber ihn tragbarer gestalten kann.
Das Faszinierende an der Eingebung war, dass ich durch die Nähe des Gevatter begonnen habe, mich bewusst mit ihm auseinander zu setzen. Aber genauso lernte ich, wie kostbar das Leben ist. Ich erinnere, wie ich oft ich abends dort ankam, mich ans Bett eines Sterbenden setzte und den Kopf mit all den „scheinbar wichtigen“ Dingen voll hatte. Wie ich dann dort auf meinem Stuhl in der Dunkelheit saß, die Hand eines Menschen auf der Schwelle zum Tod hielt und einfach nur da war. Und wie dankbar ich dann jeden Morgen war,  auf zwei gesunden Beinen nach Hause gehen zu können, um mein Leben zu leben. Meine Probleme mittels meines Geistes und meiner Hände Arbeit anpacken und lösen zu können. Ich lernte ganz leise, mich des Lebens zu freuen. Aber ich hatte nie darüber nachgedacht, dass in diesem Metier mal eine berufliche Chance für mich verborgen sein konnte.

Die Predigerin

1Ertel1Dann stand ich irgendwann vor einem Bestattungshaus hier in Rostock, betrachtete die Schaufensterauslage und dachte:

„Ok, Irene. Gedenkreden könntest du auch halten.“

Den Impuls bekommen und der Eingebung folgen, war fast eins. Ich rief bei dem Bestatter an, der hörte sich mein Angebot an und schon bald vermittelte er mir die erste Trauerfeier. Mit der Telefonnummer ausgerüstet, griff ich zum Hörer und rief bei den Angehörigen an und bekam die biographischen Daten. Ich schrieb meine erste Rede und ging mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, der Gedenkrede unter dem Arm und drei Musikstücken im Gepäck zu meiner ersten „Veranstaltung.“ Es war eine Landfrau, der ich da etwas mit getragener Stimme hinterher rief, nachdem melancholische Musik den Raum erfüllt hatte. Ich  selbst stand in diesen Augenblicken eingeklemmt in einem schmalen Spalt zwischen Sarg, Rednerpult und Wand und nahm es vor Aufregung einfach hin. Meine Gedenkrede kam wohlwollend bei den Angehörigen an. Bald folgten die nächsten Aufträge, die ich über die Bestattungsunternehmen der Stadt generierte. Anstatt anzurufen besuchte ich die Menschen wie in der Branche üblich, zu Hause. Oft fuhr ich über Land und die Leute fingen an, mich die „Predigerin“ zu nennen. Ich nahms als Kompliment, dachte darüber nach und kam zu dem Schluss, dass es an der Art und Weise meine Vortrages liegt.
Viele der Menschen die gingen, hatten ihre Jugend oder Kindheit im Krieg gelassen und so zeichnete ich mit ihren Lebensgeschichten die Wege des Krieges. Beschrieb die Flüchtlingsströme, bei denen Kinder über 1000 Kilometer aus dem Baltikum zu Fuß in die neue Heimat aufbrachen. Hörte Geschichten, die einfach unbeschreiblich sind. Wie die von dem Mann der mit seinen Mann 36 Stunden auf Treibminen verbrachte, nachdem seine Fregatte abgeschossen wurde. Hörte von einem Konter-Admiral, der auf U-Booten Flüchtlinge mitnehmen ließ, um sie sicher aus der Gefahrenzone zu bringen. Von ganzen Dörfern, die sich gemeinsam aufmachten, um schließlich hier oben im Norden neue Heimat zu finden. Ich hörte von Freitoden in einer Art und Weise, dass mir nur vom Zuhören das Blut in den Adern gefror.
Der Marktpreis für das Gesamtpaket Trauerrede, dass einen Hausbesuch und das Interview, die Trauerbegleitung in den schlimmsten Zeiten im Leben eines Menschen; das Schreiben der Gedenkrede als biographische Skizze, Rückfragen, und der Tag der Trauerfeier mit dem Halten der Gedenkrede beträgt hier durchschnittlich 150 Euro. In jedem Auftrag stecken Durchschnitt zwanzig bis dreißig Arbeitsstunden. Das Honorar dafür: „zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel waren“, wie der Volksmund treffend formuliert. Trotz allem blieb Qualität die Messlatte meines Tuns. Ich begleitete Menschen auf hohem Niveau in den schwersten Stunden ihres Lebens, half mit tröstenden Worten untragbares tragbarer zu gestalten. Hörte die einzigartige Geschichte jedes einzelnen Menschen den ich begleitete, und sprach darüber, was eine Krankheit  aus den Verstorbenen und seinen Angehörigen gemacht hat oder was der Tod eines Menschen bewirkte. Beispielsweise jener Mann, der seiner Frau nach fünfzig Jahren Ehe zum ersten Mal sagte, dass er sie liebt. Oder die Mutter, die ihre Tochter Alla mit 20 Jahren verloren hatte und die durch unser Gespräch den Facettenreichtum und die Tiefe ihrer Tochter zum ersten Mal erfasste.
Meine Kunden  erzählten mir Erlebnisse, die viele von uns gemeinsam haben. Wie beschrieben die traumatischen Erlebnisse der Weltkriege, die sich bis in die nächste Generation fortsetzen. Aber auch von jenen Dingen, die wir alle gemeinsam haben. Wie etwas das Streben nach Glück, nach Anerkennung und Liebe.

Bezaubernd, wenn sich durch günstige Fügungen

Dinge verknüpfen und ich Gefühle weiter tragen kann. Einmal schrieb ich eine Rede über eine achtzigjährige Frau, die sich mit ihrem Mann während des Zweiten Weltkrieges vor dem ersten persönlichen Kennenlernen Briefe geschrieben hatte. Er war an der Ostfront stationiert. Nach drei Jahren trafen sie sich zum ersten Mal in Warnemünde auf dem Bahnhof. Sie eine junge Dirn, deren blonde Haare mit dem knielangen Röckchen im Sommerwind um die Wette wehten, schaute ihn, den strammen Soldaten aus leuchtend blauen Augen an. Zum Zeitpunkt der Abschiedsfeier war ich selbst verliebt in einen Offizier. Er rief mich genau in dem Augenblick an, als ich die Geschichte formulierte und auch bei uns war es wie bei diesen Menschen gewesen. Mein Freund war gerade heil aus dem Krieg zurück gekehrt und die erste Begegnung lag hinter uns. Mit meinen flirrenden Schmetterlingen im Bauch fuhr ich in den Ort und hätte fast die Abschiedsfeier versäumt, weil ich so in meine Gefühle eingetaucht war. Dann stand ich da mit meinem Schmetterlingen und redete. Konnte nachvollziehen, was der alte Mann damals gefühlt haben muss. In dieses Gefühl eintauchend,  erzählte ich  ihre Geschichte und sah den Mann währenddessen unverwandt an. Er war wirkte entrückt, seine Augen leuchten, eine Träne rann ganz leise aus einem Augenwinkel und beglücktes Lächeln umspielte seinen Mund. Er saß da auf seinem Platz in der kleinen Kapelle, während sein Geist in das Land vor dieser Zeit gereist war. Dort stand er dann auf dem Bahnhof in Warnemünde, denn Schrecknissen des Krieges  für Momente entronnen,  und schaute seiner Liebsten zum ersten Mal in die Augen. …

Mir „begegnete“ so manch Verstorbener

der sich von seinen großen Träumen hatte leben lassen. Wie Dirk, ein dreißigjähriger Mann mit Traumfrau und drei bezaubernden Kindern. Von Kindesbeinen an wußte er:

„Ich will fliegen“

Biographin Irene Wahle

Die Predigerin, Foto privat

Diesen Traum lebte er über alle Hindernisse hinweg und das stetig auf der dritten Überholspur. Das Leben, unsere Herzen und Seelen wollen mehr als das wir durch die Zeit auf der Suche nach Ruhm und Anerkennung hetzen. Und wenn wir das unterlassen, dann bremsen wir uns irgendwann dramatisch selbst aus. Der Mann, der in Mecklenburg – Vorpommern den Rettungshubschrauberdienst mit aufgebaut hatte, verunglückte in seinem 37. Lebensjahr mit seinem geliebten fliegenden Untersatz und verstarb. Und was für ein Schicksal, seine Copilotin kam bar jeden Kratzers davon.
Berührend für mich, wenn Kinder durch meine Geschichten über alles oft jahrelang währende Leid ins Land ihrer Erinnerungen reisen können. Um dort die Mutter und Oma von einst, oft den Motor ihrer Familie, zu treffen. Menschen, die sich für die Familie aufopferten, sich einbrachten und oftmals gegen ihre Herzenswünsche lebten.
Aber auch eine bereichernde Schule für mich in Sprache und Bewusstseinsebenen einzutauchen. Persönlich wortwörtlich nehmen hieß das für mich. Und in diesem Sinne rief ich an einem Tag einem Akademiker etwas hinterher, an einem anderen Tag einer Landfrau und am nächsten Tag dann einem Kinde. Meinen ganzen Entusiasmus legte ich dahin ein, Gedenkreden zu schreiben, die authentisch sind. Das Feedback das ich oft bekam:

„Das war ja eine dolle Rede. Waren Sie mit dem Verstorbenen bekannt?“

„Nein,“ konnte ich da zumeist nur antworten und fügte hinzu: „ich bin ihm heute hier zum ersten Mal „begegnet.“

Die mageren Jahre

Die Jahre gingen ins Land, die reinen Gedenkreden auf den Friedhöfen waren aus unterschiedlichen Gründen rückläufig. Mein einst eingeschlagener Weg stand immer mehr im Widerspruch mit dem was ich erreichen wollte:

„Licht in das Tabuthema Tod und in die Trauer der Menschen tragen […] Abschiedsfeste an besonderen Orten zelebrieren, die ein letztes Mal den Geist und die Persönlichkeit eines Menschen fühlbar machen und ein Spiegel gelebten Daseins sind. Menschen unterstützen Vorsorge für den Ausklang des Daseins zu treffen. Und vor allem eins: Meine Berufung sollte die Frau ernähren.“

Neues in alten Strukturen zu etablieren war für mich unmöglich, darin eingeschlossen die seit Jahrzehnten eingefahrene Marktpreise zu känzeln. Mein Honorar dem Wert meiner Leistung anzupassen. Ich tat mich schwer, diesen Weg zu verlassen, sicherte er mir doch scheinbar mein tägliches Brot und ich schöpfte aus meinem Tun tiefe Zufriedenheit. Was ich da drauf zahlte, blendete ich gekonnt aus. Ein Autounfall brachte mich zur Besinnung und festigte meinen Entschluss:

„Konsequent die alten Vermarktungswege schließen und am eigenen Pfad bauen.“

Wenn sich alte Türen schließen, dann dauert es bis sich neue Türen öffnen. Glücklicherweise bei mir weniger als die sieben mageren Jahre, die in der Bibel beschrieben werden. Ich nenne diese Zeit meine Fensterkitt- Phase. Der Volksmund bezeichnet Fensterkitt als die letzte mögliche Nahrungsquelle. Auch wenn ich so etwas nie wieder erleben möchte, weiß ich innerlich, dass sie zu meinem Lebensplan gehörte. Sie hat mir gezeigt, dass es auch in den schlimmsten Zeiten der Weg über den Verzicht zur Fülle führt. Eine Facette meines gelebten Reichtums sind die vielen günstigen Fügungen. Zufälle, die mir weiter geholfen haben, die mich lehrten um Hilfe zu bitten. Diese mageren Jahre unterstützten mich heraus zu finden, was ich wirklich will. Die mir zeigten, wo ich mir selbst in der Verwirklichung meiner Vision im Weg stehe; mich mit einem Problem im Kreise drehe. Sie zeigten mir, dass es Lebenaufgaben gibt. Aufträge, die in unser aller Seelen verborgen ruhen und die uns durch ihre Er.lösung unterstützen, das zu sein was wir zutiefst sind. Bis dato hatte ich Probleme als persönliche Beleidigung empfunden. Nun lernte ich, das Schwierigkeiten dazu gehören und das es Spaß macht, sie zu lösen. Diese Erlebnisse haben mich demütig zurück gelassen. Ich weiß heute mit wie wenig ich auskommen kann und bin dankbar für das, was ich habe. Genauso sehr kann ich heute schätzen, was ich mir mit meiner Hände Arbeit und mit meinem Geist erschaffe. Und vor allem habe ich eines gelernt in diesem Sterben im Leben:

„Es geht immer weiter, wenn ich an mich glaube und Zeit und Geduld mitbringe.“

Lesen Sie am kommenden Mittwoch   – 10 Jahre Biographin Irene Wahle (2) –

Gern sende ich Ihnen eine Benachrichtigung, wenn Sie das wünschen. Geben Sie dafür im Kontaktformualr einfach das Schlüsselwort – 10 Jahre – im Betreff ein. Ich melde mich bei Ihnen.

 

Weiterführende Links
Aufgewachsen im langen Schatten des Krieges
Die Kraft der Kriegsenkel

Über die Arbeit der Biographin Irene Wahle
Buchprojekte, die wie Jahrgangsweine reifen
Irene Wahle – Biographin und Winzerin

Irene Wahle ist seit 2004 freiberuflich als Biographin im deutschsprachigen Raum tätig. Sie schreibt und produziert in Kooperation mit ausgewählten Netzwerkpartnern kostbar gestaltete Biographien, Lebens-Zwischen-Bilanzen und Firmenchroniken. 2008 wurde sie für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen: „Kandelaber-Heckmann “ mit dem 1. „Deutschen Biographiepreis“ ausgezeichnet. BiographinIW ist als Expertin für Lebens – und Unternehmensbücher ins „Netzwerk der Besten | Großer Preis des Mittelstands“ aufgenommen worden. Mit ihrer Arbeit setzt sich Irene Wahle dafür ein, Leben zu klären, Erinnerungen als wichtigen Bestandteil unserer Kulturgeschichte zu bewahren, Lebensleistungen zu würdigen und Visionen zu entwickeln. Tel. +49 381 68 63 874 biographie[at]irene-wahle.de

3 Antworten auf 10 Jahre Biographin Irene Wahle (1)

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